21. Juni
Mit Entsetzen stelle ich fest, dass ich in der Fußgängerzone kleine Kinder anlächle, wohl weil ich selbst eines habe. Was nur darauf hindeuten kann, dass ich alt werde.

23. Juni
Ich bin nach Rom gekommen, um meinen neuen Roman zu schreiben. Gestern habe ich mir am Lido di Ostia aus Faulheit, ich wollte kein Sonnenöl verwenden, den ganzen Körper verbrannt und bin deswegen seit vier Uhr früh wach. Am Vormittag hämische Blicke vom Barpersonal. In Rom funktionieren manche Dinge nicht ganz so, wie sie sollen. In meiner Wohnung ist die Warmwassertherme ausgefallen, niemand ist imstande, sie zu reparieren, was zur Folge hat, dass ich mich schon den fünften Tag im Meer reinige.

25. Juni
Noch immer kein Warmwasser. Ich schreibe Drohbriefe.

30. Juni
In Rom gibt es Diskos mit weiblichen Türstehern, und meinem Ego hat schon seit Langem nichts mehr so geschmeichelt wie die Erlaubnis, diesen Musiktempel zu betreten. Alle Männer vor mir durften nicht rein. Leider muss ich jetzt heim nach Wien.

7. Juli
Ich bin jetzt schon den sechsten Tag krank. Das ist im Sommer natürlich besonders unangenehm, mittlerweile sind meine vierjährige Tochter und meine Freundin auch krank. Ich muss auch jetzt schon wieder schlafen gehen, obwohl es erst Mittag ist. Ich habe gerade erst mitbekommen, dass gestern in Österreich Neuwahlen ausgerufen worden sind. Manchmal haben Krankheiten sogar etwas Gutes.

10. Juli
Ich bin noch immer krank. Irgendjemand hat meinen Rasierapparat gestohlen. Ich kann mir wirklich nicht erklären, wie man aus einer versperrten Wohnung, in der ich mich aufhalte, einen Rasierapparat entwenden kann. Vor allem: Warum tut man es?

13. Juli
Ich bin wieder gesund und habe den halben Tag an meinem Roman gearbeitet, danach hat meine Freundin darauf bestanden, dass ich in diesem Zustand der Wirrnis unserem Kind die Haare schneide. Das Ergebnis lässt in einer Art und Weise zu wünschen übrig, dass meine Freundin nun nicht mehr mit mir spricht.

16. Juli
Mein Kind, an dem zwei Friseure die Arbeit verweigert haben wegen Aussichtslosigkeit, konnte nun schon seit zwei Tagen nicht in den Kindergarten gehen, weil meine Freundin die Kleine in diesem Zustand nicht rauslassen wollte.

20. Juli
In den letzten Tagen habe ich mich wieder von Wien in Richtung Italien bewegt, um zu schreiben. Vor zwei Tagen schaffte ich es, mein Handy beziehungsweise meinen Blackberry auszuschalten. Ich empfange nun weder E-Mails noch SMS oder Anrufe. Ich komme mir sehr verlassen vor.

22. Juli
Gerade habe ich in der rätselhaften Dunkelheit des Fluges von Mailand nach Palermo in der Flugzeugtoilette versucht, mir die Zähne mit Rei in der Tube zu putzen.