Ministerpräsident Samak Sundaravej reagierte mit der Verhängung des Ausnahmezustands auf Straßenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung, bei denen am Dienstag mindestens ein Mensch ums Leben kam. Er übertrug der Armee die Polizeiaufgaben für die öffentliche Ordnung. Versammlungen wurden verboten, die Berichterstattung der Medien eingeschränkt. Der Ausnahmezustand solle nur wenige Tage andauern, sagte Samak. Die Staatskrise belastet zunehmend die Wirtschaft und vor allem den Tourismus.

Während des Ausnahmezustands dürfen sich nicht mehr als fünf Menschen zusammenfinden, "Unruhestifter" können sofort festgenommen und Gelände und Gebäude geräumt werden.

Aufgrund der Eskalation bieten inzwischen einige deutsche Reiseunternehmen eine kostenlose Stornierung von gebuchten Bangkok-Reisen an. Die deutsche Botschaft in Bangkok warnte Besucher davor, in die Nähe des Regierungssitzes zu gehen. "Es wird dringend empfohlen, Demonstrationen und sonstige größere Menschenansammlungen zu meiden, auch um sich nicht dem Risiko eventueller Sprengstoffanschläge auszusetzen", hieß es auf der Webseite der Botschaft.

Die Lufthansa sowie die beiden größten deutschen Reiseveranstalter TUI und Thomas Cook verzeichnen nach eigenen Angaben bislang keine Buchungsrückgänge. Es gebe bislang auch keine Kunden, die von ihrer Reise zurücktreten wollten. Die Demonstrationen fänden lediglich im Regierungsviertel von Bangkok statt. Darüber hinaus könnten sich Touristen frei bewegen. Zudem sei der September ohnehin nicht die Hauptreisezeit für Thailandurlauber.

Tausende Demonstranten der außerparlamentarischen Opposition PAD hatten das Gelände vor einer Woche gestürmt und hielten es am Dienstag weiter besetzt.  Die Demonstranten zeigten sich trotz Ausnahmezustands, der ihren Protest illegal macht, unerschrocken. "Es gibt gar nicht genügend Gefängniszellen, um uns einzubuchten", sagte einer der Anführer, Chamlong Srimuang.

Der Armeechef schloss einen Militärputsch oder die Anwendung von Gewalt gegen Demonstranten aus. "Das Tor (für einen Putsch) ist ein für alle Mal zu", sagte General Anupong Paojinda. "Wir müssen neue Wege finden, etwa die Gerichte oder das Parlament, um die Probleme zu lösen." Paojinda leite jetzt eine Kommission, die den Ausnahmezustand durchsetzen und eine Lösung aus der Krise suchen soll. Seine Hauptaufgabe sei es, eine Eskalation der Gewalt zu verhindern, sagte er.