Nach einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung hätte das niedersächsische Umweltministerium schon vor zweieinhalb Jahren über die radioaktiv verseuchte Lauge im Atommülllager Asse informiert sein können. Es übersah jedoch entsprechende Hinweise in einer Dokumentation, schreibt das Blatt unter Hinweis auf den zu Wochenbeginn vorgelegten Statusbericht der Behörde.

Demnach erhielt das Ministerium 2006 von der damaligen Betreibergesellschaft GSF als Vorgängerin des Helmholtz-Zentrums München einen Bericht, in dem die "Einleitung von kontaminierten betrieblichen Lösungen" aus der 750-Meter-Sohle in den Tiefenaufschluss des Bergwerks geschildert wird. "Dieser Sachverhalt blieb im NMU (Niedersächsisches Ministerium für Umwelt) jedoch unbemerkt", zitiert die Zeitung aus dem Statuspapier.

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet, im Zusammenhang mit den Asse-Pannen seien mindestens zwei Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Das erste richte sich gegen den Leiter des zuständigen Bergamtes, das zweite gegen einen Referenten, der unmittelbar mit der Aufsicht über die Atommülldeponie befasst war. Beide hätten schon lange von den akuten Sicherheitsproblemen gewusst, die vorgesetzten Beamten in der Landesregierung aber nicht angemessen auf die Gefahren hingewiesen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte bis Ende des Jahres eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Atommüll-Lagers an. Ein Gutachten zur Sicherheit von Asse werde im Oktober vorliegen, sagte er NDR Info. "Die zentrale Frage ist hierbei: Gelingt es, den Bergwerksstollen mit Hilfe technischer Baumaßnahmen über das Jahr 2015 hinaus abzusichern?" Dies sei "die Voraussetzung dafür, dass der Atommüll aus dem Schacht geborgen werden kann". Möglicherweise müssten die eingelagerten rund 126 000 Fässer mit radioaktiven Abfällen aber auch in dem ehemaligen Salzbergwerk verbleiben.

Die Bundesregierung hatte am Donnerstag entschieden, dass das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nach den Pannen den Betrieb in Asse  übernimmt . Das Amt untersteht dem Bundesumweltminister. Bislang wurde das Lager für schwach- und mittelradioaktive Stoffe vom Helmholtz-Zentrum in München betrieben, das zum Bundesforschungsministerium gehört. Damit untersteht Asse künftig dem strengeren Atomrecht und nicht mehr dem Bergrecht.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte für Ende 2008 ein Schließungskonzept für das einsturzgefährdete und radioaktiv verseuchte ehemalige Salzbergwerk an. Experten gingen bisher davon aus, dass das Bergwerk für abschließende Arbeiten nur noch bis 2014 sicher sei. Diese Frist kann sich aber nach neuesten Schätzungen um etwa zehn Jahre verlängern.

Die Grünen beantragten für kommende Woche eine Sondersitzung der Bundestagsausschüsse für Umwelt und für Forschung zu Asse. "Jahrelang wurde uns das Blaue vom Himmel erzählt. Scheinbar gab es aber nichts als Schlamperei", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast im WDR.