Seit er die Klausurtagung am Schwielowsee wütend verlassen hatte, war Kurt Beck für Journalisten nicht zu sprechen. Er überließ es dem neuen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, seinen Rücktritt zu verkünden. Von ihm selbst gab es an diesem historischen Sonntagnachmittag nur ein einziges Bild: ein Parteichef auf der Flucht, enttäuscht und entmachtet. Und er hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem von "gezielten Fehlinformationen" gegen ihn die Rede war.

Zwei Tage später stellt sich Beck nun erstmals der Presse. In einem 20-minütigen Statement fasst er in Mainz zusammen, wie er das Wochenende erlebt hat.

Beck bleibt dabei fast regungslos. Er lächelt nicht, zeigt nichts von seinem jovialen Charme. Ihm ist anzusehen, dass er keine schönen Tage hinter sich hat, dass er um die Journalisten und die Öffentlichkeit nicht mehr werben möchte. Ihnen, die ihn in den vergangen beiden Jahren so harsch kritisiert haben, ist er nichts schuldig, scheint er zu denken. Später, als die Journalisten fünf Fragen stellen dürfen, zieht er die Augen hoch und legt die Stirn in Falten. Seine Antworten kommen im lauten, scharfen Ton.

Zunächst rekapituliert Beck die Geschehnisse vom Wochenende. Seinen Rücktritt bezeichnet Beck als eine "bewusste Entscheidung". Sie sei nach einer "intensiven Selbstprüfung" am Sonntag gefallen, sagt Beck. Die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur Steinmeiers habe er bereits vor Monaten getroffen.

Beck kritisiert, dass am Samstagabend den Medien bewusst Fehlinformationen zugespielt worden seien. Daher sei er am frühen Sonntagmorgen zu der Entscheidung gekommen, dass er unter diesen Umständen nicht mehr die Partei führen könne. Dies sei im Interesse der Partei, aber auch aus Respekt vor ihm selbst geschehen. Mit einem derart "eingeschränkten Handlungsspielraum" mache die Parteiführung keinen Sinn mehr.

Dass es am Schwielowsee Streit gegeben habe, sei "dummes Zeug", sagt Beck. Stattdessen habe eine "besonnene, ruhige Atmosphäre" vorgeherrscht. Gleichwohl, sagt Beck und jetzt wird er grundsätzlich, gebe es in der SPD Leute, die mit ihrer Pressepolitik und verbreiteten Halbwahrheiten "der Demokratie schaden". Ausdrücklich allerdings will Beck seine Kritik nicht gegen "die erste politische Reihe" der SPD richten.