Ob Scheichs, Oligarchen oder Heuschrecken, der Kampf der Giganten des Geldes wird immer härter, immer schwindelerregender werden die Summen, mit denen sie sich in die Schlacht stürzen. Es geht um nicht weniger als world domination, um die Vorherrschaft im Weltfußball. Die Schlacht wird auf britischem Boden ausgetragen; wer ganz oben mitmischen will, muss sich einen Klub der englischen Premier League zulegen. Spitzenklubs wie Manchester United, Arsenal, Chelsea oder Liverpool sind längst zu globalen brands mutiert; alle Welt schaut die Spiele der englischen Topliga. Nirgendwo wird mehr Geld eingenommen.

Wenige Jahre ist es her, da sah es so aus, als ob der Kampf eine rein inneramerikanische Sache bleiben würde. Am Rande der englischen Premier League tauchten Investoren aus den USA auf; ihnen gefiel, was sie da sahen: die stets ausverkauften Stadien, die leidenschaftlichen Fans mit ihren Gesängen, die stargespickten Teams. Dank der US-Gelder konnte die Premier League zur populärsten Liga der Welt aufsteigen, mit ihrer Mischung aus englischer Tradition und globalem Flair.

Mit den Glazers, zwei steinreichen Brüdern aus Amerika, begann die neue Ära: Sie kauften Manchester United, also gleich das Kronjuwel des englischen Fußballs, begleitet von wütenden Protesten vieler Fans. Wenig später stiegen beim FC Liverpool zwei amerikanische Finanzinvestoren ein, Tom Hicks und George Gillet. Andere amerikanische Geldleute investierten in Aston Villa oder erwarben Minderheitsbeteiligungen von Klubs wie Arsenal London und Everton, dem ewigen Zweiten aus Liverpool.  

Doch die amerikanische Vorherrschaft war nur von kurzer Dauer. Mit Roman Abramovitsch erschien ein neuer Herausforderer auf der Bildfläche - ein steinreicher russischer Oligarch, der klug genug war, um es sich nicht mit Putin zu verscherzen. Abramovitch, ein Mann mit jungenhaftem Gesicht und leicht wehmütig wirkendem Ausdruck, investierte nach dem Kauf des FC Chelsea in den ersten zwei Jahren 250 Millionen Pfund, um seinen Traum von globaler Dominanz zu verwirklichen. Mit Jose Mourinho holte er einen Spitzentrainer, kaufte Starspieler, darunter Drogba, Ballack, Deco und Essien, und demonstrierte gnadenlose Härte, als sich Mourinho wichtiger dünkte als er, der Mann mit dem Geld.

Prestige und Popularität der Premier League sind es, die auch die Superreichen aus Asien anlocken. Thaksin Shinawatra, Expremier Thailands und Milliardär, erwarb mit Manchester City einen Klub der zweiten Garnitur. Er heuerte den früheren englischen Nationaltrainer Sven Göran Erikson an, in der festen Erwartung, damit die Garantie auf einen Platz an der Sonne, sprich unter den ersten vier, zu erwerben. Das erwies sich als Wunschdenken; Erikson musste gehen. Thaksin aber verlor die Verfügungsgewalt über sein beträchtliches Vermögen. Wegen Korruption in Thailand angeklagt wurde sein Besitz eingefroren. Manchester Citys Traum von einer glorreichen Zukunft schien ausgeträumt.

Doch siehe da, urplötzlich, wie ein Phönix aus der Asche, ist ein Retter in Gestalt von Dr. Sulaiman Al Fahim aus Abu Dhabi aufgetaucht. Gleichsam als Antrittsgeschenk brachte er den brasilianischen Spieler Robinho mit, für gerade mal 32 Millionen Pfund. Dass der Scheich aus Abu Dhabi den Brasilianer dem FC Chelsea in letzter Sekunde abknöpfen konnte, war ein herber Schlag für Abramovitsch, der sich mit Robinhos bisherigem Klub Real Madrid längst handelseinig gewähnt hatte. Abramovitsch musste nun feststellen, dass die Scheichs, die neuen Spieler im Fußball-Monopoly, mindestens so viel Geld haben wie er und es genauso bedenkenlos ausgeben werden, um ihr Ziel zu erreichen.