Es war nur eine kleine Schau im halb zerbombten London, in der Lefevre Gallery in der New Bond Street. Im April 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, zeigte eine Handvoll englischer Künstler ihre neuesten Bilder, darunter auch der 1909 in Dublin als Kind englischer Eltern geborene Francis Bacon. Nur zwei Werke waren von ihm zu sehen: Figure in a Landscape und das Triptychon Three Studies For Figures at the Base of a Cruxifixion . Darauf winden sich schreiende Menschenwürmer mit Raubtiergebiss und grotesken Körpernvor grellem Orange.

Zur gleichen Zeit erreichten erste, detaillierte Berichte von den Konzentrationslagern in Deutschland Großbritannien. Bacons Bilder gerieten zur Sensation. Sie etablierten einen Künstler, der nie eine Kunstausbildung genossen hatte, hier aber bereits sein außerordentliches Können andeutete.

Bacons Werke waren lange unpopulär . "Sie mögen meine Bilder hier überhaupt nicht", sagte Bacon, längst eine Berühmtheit, zwei große Werkschauen später, 1992. Der Grund: "Vielleicht ist es die Brutalität, die sie darin finden, oder vielleicht die Homosexualität."

Heute erzielen Bacons Werke Höchstpreise. London-Oligarch und FC-Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch ersteigerte im Mai ein Triptychon von 1976 für die Rekordsumme von umgerechnet 54 Millionen Euro.

Die nun zu sehende Retrospektive in der Tate Britain vereint a lle Phasen aus Bacons Karriere: die düsteren Anfänge in den Kriegs- und Nachkriegsjahren ebenso wie die letzte Schaffensperiode. Die 1950 gemalten Studien nach Velásquez’ Portrait Papst Innozenz X finden sich neben vom Surrealismus angeregten Werken und dem Triumph Anfang der sechziger Jahre, als Bacon zum Kreuzigungstopos zurückkehrte. Von der religiösen Allegorie hatte er sich da längst entfernt.

Modell und Geliebter: George Dyer, hier in Francis Bacons Triptychon "In Memory of George Dyer" (1971) © Estate of Francis Bacon. All Rights Reserved, DACS 2007

Sinnlose Gewalt, das, was Menschen einander antun können, kehrt als Motiv in vielen Gemälden wieder, sei es in den gefeierten, konkav verdrehten Porträts oder den Triptychen, die Bacon bis in die achtziger Jahre hinein schuf. Bei aller Zerrissenheit und der bis heute manchmal schockierenden Drastik berühren Bacons Werke vor allem durch ihre Intimität.