Ein großer Schritt für die Menschheit: Als Googles Top-Managerin Marissa Mayer diese Woche in San Francisco das neue digitale Zeitungsarchiv des Suchmaschinen-Konzerns demonstrierte, da wählte sie wohl nicht ganz zufällig einen Artikel zur US-Mondlandung aus. Einerseits wären die Watergate-Affäre oder die Kennedy-Ermordung im Wahlkampfjahr möglicherweise falsch ausgelegt worden.

Andererseits erhoffte sich Mayer sicher auch, mit ein paar Jahrzehnten Verspätung selbst vom Glamour des historischen Ereignisses zu profitieren. Google, so der Tenor der Produktvorstellung, schreibt Geschichte, indem es sie ins Netz stellt. "Unser Ziel ist es, Milliarden von Zeitungsseiten aus aller Welt online verfügbar und durchsuchbar zu machen", erklärte Google News Archive-Produktmanager Punit Soni dazu im Konzern-Blog.

Zeitungen aus aller Welt

Google News Archive bietet bereits jetzt Zugriff auf digitale Reproduktionen von Millionen von Zeitungsseiten inklusive der damals verwendeten Bilder und Anzeigen. Alle erfassten Artikel lassen sich auch als Volltext durchsuchen. Das Angebot konzentriert sich dabei derzeit auf Ausgaben aus den Vierzigern bis Siebzigern des 20. Jahrhunderts. Diese sind bei vielen Verlagen bereits als Mikrofilm vorhanden, was eine einfachere und schnellere digitale Erfassung erlaubt.

Letztlich will man jedoch auch Ausgaben auf Papier einscannen und damit die kompletten Archive aller beteiligten Partner digitalisieren. Die Kosten dafür trägt Google. Bisher beschränkt sich Googles Zeitungsarchiv auf Publikationen aus den USA und Kanada. Ein Firmensprecher erklärte dazu auf Anfrage, dass es noch keine konkreten Pläne für europäische Zeitungstitel gebe. Das hielt den Konzern jedoch offenbar nicht davon ab, mit dem Projekt bereits bei deutschen Verlagen vorstellig zu werden.

Mikrofilme endlich durchsuchbar

Jenseits des Atlantiks ist das Echo auf das Projekt überwiegend positiv. So erklärte der Verleger des kanadischen Quebec Chronicle Telegraph , dessen Archiv derzeit in Googles Angebot integriert wird: "Dies wird Internet-Nutzern eine neue Welt eröffnen." Der Telegraph ist die älteste Tageszeitung Nordamerikas. Das Archiv der Zeitung umfasst Ausgaben aus 242 Jahren.

Lob gab es auch von dem bekannten kanadischen Technologie-Journalisten Matthew Ingram. Er erinnere sich nur ungern an die Zeiten, in denen er sich als Berufsanfänger durch riesige Mikrofilm-Sammlungen kämpfen musste, so Ingram: "Damals hätte ich alles für eine Möglichkeit gegeben, diese Filme nach Stichwörtern zu durchsuchen."