ZEIT ONLINE: Herr Daum, ein Sieg, eine Niederlage, ein Unentschieden, so die Bilanz des 1. FC. Köln zum Saisonauftakt. Sind Sie zufrieden – oder war mehr drin?

Daum: Die Mannschaft wurde nach dem Aufstieg neu zusammengebaut und ist erst sehr spät zusammengekommen. Man muss bedenken, dass Pedro Geromel erst im Trainingslager in Österreich zur Mannschaft gestoßen ist. Pedro hatte nicht den Vorlauf, den man benötigt, um von Anfang an voll da zu sein. Von daher ist es fast sensationell, wie er momentan auftritt. Auch Spieler wie Radu und Sanou, die lange Zeit nicht gespielt haben, brauchen ihre Zeit, um wieder eine gewisse Wettkampfstabilität zu bekommen. Momentan befinden wir uns in dem Leistungsbereich, den ich in etwa erwartet habe.

ZEIT ONLINE: Neben Geromel holten Sie den portugiesischen EM-Star Petit. Im Vergleich zur letzten Saison legen Sie den Schwerpunkt offenbar auf ein verbessertes Defensivverhalten?

Daum: In der 2. Liga haben wir das Spiel mehr in die gegnerische Hälfte verlagert und waren permanent der Gefahr eines Konters ausgesetzt. Die 1. Liga kommt für uns genau zum richtigen Ausbildungszeitraum, denn hier können wir vor allem in puncto Kompaktheit, schnelles Umschalten und Abwehrverhalten enorme Fortschritte machen.

ZEIT ONLINE: Woran muss noch gefeilt werden? Es scheint der Mannschaft noch schwer zu fallen, über 90 Minuten das Tempo hoch zu halten. Die Folge waren späte Gegentreffer in Wolfsburg und gegen Frankfurt.

Daum: Unser Ziel ist es, dass wir uns in diese Liga hineinarbeiten. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert. Von Niederlage, über Unentschieden, hin zum Sieg. In Wolfsburg haben wir ganz gut begonnen. In der 2. Halbzeit haben wir dann gesehen, dass über die gesamte Spielzeit hinweg noch mehr Druck entwickelt werden muss. Gegen Frankfurt lief das schon besser, leider waren wir da aber noch zu sehr darauf bedacht, das Resultat zu halten. In Karlsruhe haben wir dann aber von der ersten bis zur letzten Sekunde voll auf Sieg gespielt. Ich denke, dass wir noch ungefähr bis Mitte Oktober etwas Zeit benötigen, bis wir richtig in der Liga drin sind.

ZEIT ONLINE: Sie haben Kevin McKenna, einen Führungsspieler aus dem Aufstiegsjahr, zunächst auf die Bank zurückversetzt. Ist Ihnen das einfach gefallen?

Daum: Jeder Trainer führt lieber Gespräche, in denen er den Spieler aufbaut und ihn auch im Sinne der Anerkennung der erbrachten Leistung unterstützt. Ich kann nur immer wieder darauf hinweisen, welch wichtige Rolle ein Kevin McKenna bei uns einnimmt. Das hat man in Karlsruhe gesehen, als er auf der ungewohnten Position des rechten Verteidigers spielen musste. Natürlich ist er unzufrieden. Trotz dieses unbedingten Spielenwollens ist er immer für die Mannschaft da und ein absoluter Teamplayer. So einen Charakter eines Spielers wünsche ich mir.