ZEIT ONLINE : Herr Stegner, stört es Sie als Parteilinken, dass nun die Reformer mit Steinmeier als Kanzlerkandidat und Müntefering als Parteichef in der SPD wieder das Sagen übernommen haben?

Ralf Stegner : Ich finde eine solche Betrachtungsweise extrem oberflächlich und falsch.

ZEIT ONLINE : Also gab es am Wochenende keinen Putsch der Parteirechten gegen Beck?

Stegner : Alles, was wir auf dem Parteitag in Hamburg beschlossen haben, gilt nach wie vor. Wir werden nicht links und nicht rechts davon abrücken. Wir wollen nach wie vor ein verbessertes Verhältnis zu den Gewerkschaften und einen guten innerparteilichen Meinungsbildungsprozess. Das wissen sowohl der Kanzlerkandidat als auch der designierte Parteichef.

ZEIT ONLINE : Sie befürchten also keinen neuen Flügelstreit in Ihrer Partei? Andere Vertreter der Parteilinken, Ottmar Schreiner etwa, haben sich schon äußerst kritisch über das neue Duo Müntefering/Steinmeier geäußert.

Stegner : Die SPD hat immer schon intensiv debattiert. Das unterscheidet uns von der CDU. Wir sind keine Kommandopartei. Wir brauchen, das sagte kürzlich Franz Müntefering, einen Torwart, einen linken und einen rechten Verteidiger und Stürmer, die das gegnerische Tor treffen.

ZEIT ONLINE : Wie lange soll Müntefering denn Parteichef bleiben? Mathias Platzeck spricht schon von einem Übergangsvorsitzenden, der zwölf Monate, nicht zwölf Jahre amtieren werde.