Jürgen Kämmerer hat ein Lebenstrauma: Seine Schwester Ulrike ist spurlos verschwunden. Der Fall interessiert auch die Medien. Immer wieder werden Dokumentarfilme über die Familie gedreht. Jahre später taucht aus dem Nichts eine Frau auf, die Kämmerers Lebens ohne sein Wissen als Comic fortschreibt. Kämmerer taucht ein in die Welt der Fiktion, und mit ihm der Leser.  In "Geister", seinem zweiten Buch, zeigt Thomas von Steinaecker eine unheimliche Geschichte. Ein Gespräch mit dem Autor über den Menschen in der medialen Welt und die Integration von Comics in Romanen.

ZEIT ONLINE: Herr von Steinaecker, Ihr neues Buch Geister geht vom Roman in einen Comic über. Bereits in Ihrem Debüt Wallner beginnt zu fliegen hatten Sie eine kurze Comicsequenz integriert.

Thomas von Steinaecker: Ja, aber da haben die Comics nicht die Rolle gespielt, die sie in Geister spielen. Wallner konnten auch Leute, die nichts mit Comics anfangen können, ohne Weiteres lesen. Bei Geister ist das anders: Wer nichts mit Comics anfangen kann oder Comics sofort mit den Lustigen Taschenbüchern assoziiert, der wird das Buch zur Seite legen.

ZEIT ONLINE: Warum?

Von Steinaecker: Das ist deutschlandspezifisch: Es halten sich sehr hartnäckig Vorurteile gegen Comics als nicht ernstzunehmende Kunstform – gerade in hochkulturellen Kreisen, die sich mit Belletristik beschäftigen. Schauen Sie sich die Regale für Comics an! Die Hälfte davon sind Cartoons. Und es gibt ein Regal mit Graphic Novels. Anders als Cartoons, die zwangsweise witzig sind, sind Graphic Novels thematisch offen. Man kann jedes Thema von ernst bis humorvoll bearbeiten. Insgesamt bekommen Comics aber noch nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

ZEIT ONLINE: Warum waren die Comics die richtige Form für Geister?

Von Steinaecker: Das hatte zuerst gar nichts mit dem Buch zu tun. Es entstand aus meiner Leidenschaft für Comics. Es hat mich gereizt auszuprobieren, wie man mit Bildern und mit Sprechblasen erzählt. Vielleicht hat mir die Arbeit an den Comics sogar noch mehr Spaß gemacht als das Buch zu schreiben, weil es etwas Neues war.