Das teilte der französische Präsident und derzeitige EU-Ratspräsident Sarkozy nach einem Gripfeltreffen mit seinem ukrainischen Kollegen Juschtschenko in Paris mit. Nach seinen Angaben werden die EU und die Ukraine im kommenden Jahr ein Assoziierungsabkommen über engere Zusammenarbeit unterzeichnen. Mit dem Namen soll an frühere ähnliche Abkommen erinnert werden, die bei anderen Ländern später zu einem EU-Beitritt führten.

"Das schließt nichts aus", sagte Sarkozy dazu. Unverzüglich wollen Brüssel und die Regierung in Kiew außerdem Verhandlungen beginnen, um den Visazwangs für Ukrainer in der Gemeinschaft abzuschaffen.

Dass die EU den Beitrittswunsch der Ukraine auf eine sehr lange Bank schiebt, ist für das Land ein ziemlicher Rückschlag. Anders als eine Mitgliedschaft in der Nato wird das Streben in die EU von fast allen Ukrainer unterstützt. Sie erhoffen sich davon nicht nur einen wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch einen Schutz gegen und eine Abnabelung von Russland. Denn nach dem jüngsten Krieg gegen Georgien fürchten nicht wenige, dass ihr Land das nächste Opfer des neuen russischen Großmachtstrebens werden könnte.

In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigt die EU erstmals, dass die Ukraine ein europäischer Staat und Teil der gemeinsamen europäischen Geschichte sei. Juschtschenko zeigte sich zufrieden mit dem "historischen" Treffen, bekräftigte aber den Wunsch seines Landes nach Mitgliedschaft in der EU: "Wir haben viel Hoffnung, viel Perspektive."

Der Streit innerhalb der EU zu diesem Thema war nicht zu übersehen: Während Staaten wie Polen und Schweden sich für möglichst rasche Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine einsetzen, wollen andere Staaten, darunter auch Deutschland, lediglich eine "Verdichtung" der Beziehungen – ohne Beitrittsversprechen.

Zur Kaukasus-Krise sagte Juschtschenko: "Der Konflikt hat gezeigt, dass es in der Schwarzmeerregion kein Gleichgewicht der Sicherheit gibt." Bedrohungen wie jene, denen sich Georgien ausgesetzt sehe, müssten "eine angemessene Reaktion innerhalb der Europäischen Union finden, um diese Region zu stabilisieren". Er bezeichnete die russische Schwarzmeerflotte, die im ukrainischen Sewastopol  auf der Krim stationiert ist, als "Bedrohung der ukrainischen Sicherheit". Wenn diese, wie gegen Georgien, in militärischen Konflikten eingesetzt werde, dann werde auch die Ukraine in solche Konflikte verwickelt. Über die Einsatzmodalitäten müssten daher neue Verhandlungen mit Russland geführt werden.

Sarkozy versicherte, die von der EU beabsichtigte neue "östliche Partnerschaft" sei nicht gegen Russland gerichtet: "Wir Europäer wollen entspannte Beziehungen mit Russland." Die EU sei an Stabilität und Sicherheit in der gesamten Region interessiert: "Wir wollen uns mit Dialog, Diplomatie und Politik und ganz sicher nicht mit militärischen Mitteln miteinander verständigen." Die territoriale Integrität der Ukraine sei "nicht verhandelbar". Er habe aber bei seinem Besuch in Moskau am Montag "auch nicht den Eindruck gehabt, dass diese Frage sich stellt": "Es gibt genügend wirkliche Probleme, als dass wir uns auch noch böse Absichten unterstellen sollten," sagte Sarkozy.