Zittern werden sie alle, wenn in Genf am Mittwochmorgen der Hebel umgelegt wird. Doch nicht alle sind aus demselben Grund gespannt: Die Wissenschaftler zittern vor Aufregung, denn im 27 Kilometer langen, unterirdischen Tunnel des Large Hadron Colliders (LHC) werden künftig Atomkerne aufeinanderprallen, 600 000 Mal pro Sekunde, mit nie zuvor erreichter Wucht. Erst mithilfe dieser Kollisionen könnte es den Physikern gelingen, die Geburt unseres Universums zu erklären .

Für diese Zeitreise, 15 Milliarden Jahre zurück in der Geschichte des Weltalls, hat die Europäische Organisation für nukleare Forschung (CERN) rund drei Milliarden Euro zusammengetragen und eine Maschine der Superlative gebaut - nach eigenen Aussagen des CERN ist es die größte, die je durch Menschenhand entstand. Die nuklearen Geschosse werden darin beinahe Lichtgeschwindigkeit erreichen und während ihrer Kollisionen Mini-Urknalle erzeugen, mit Temperaturen vom 100.000-Fachen der Sonnenhitze - während es im Inneren des Tunnels bei minus 271 Grad Celsius sogar noch kälter ist, als in den Weiten des Alls.

Inmitten dieser Extreme wollen die mehr als 1000 beteiligten Forscher vor allem nach dem Higgs-Boson fahnden, dem letzten noch nicht nachgewiesenen Elementarteilchen, das endlich erklären könnte, warum Materie eine Masse hat. Der geistige Vater des Gottesteilchens, der Brite Peter Higgs , glaubt, dass der Nachweis des Partikels im LHC recht bald gelingen wird. Der Physiker Stephen Hawking soll allerdings 100 Pfund dagegen gewettet haben. Die Auflösung wird in der Gemeinde der Forscher sehnlichst erwartet.

Die Gegner des Beschleunigers, die dessen Inbetriebnahme gerne verhindert hätten, zittern dagegen eher vor Angst. Sie glauben, dass infolge der nuklearen Zusammenstöße Schwarze Löcher im LHC entstehen könnten, die möglicherweise eine Gefahr für die Erde darstellen. Schwarze Löcher entstehen gemeinhin im All, wenn Sterne in sich zusammenfallen. Wegen ihrer gewaltigen Dichte besitzen sie eine so extreme Schwerkraft, dass nicht einmal Lichtwellen ihnen entkommen können. Sie schlucken quasi alles.

Dass unsere Erde nun in einem auf ihr selbst erzeugten Loch verschwinden wird, ist indes nicht zu erwarten. Die errechneten möglichen Schwarzen Löcher des LHC werden kleiner als ein Centstück sein und binnen weniger Sekundenbruchteile von selbst zerfallen. Zum anderen entstehen selbst diese Schwarzen Minilöcher auch frühestens im Oktober - dann nämlich wird der LHC erst wirklich auf Kollisionskurs gehen. An diesem Mittwoch dürfen die Atome erstmal nur ein wenig im Kreis fliegen.

Erratum: Irrtümlicherweise wurde Stephen Hawking hier zunächst als US-Amerikaner bezeichnet. Der Physiker ist jedoch Brite. Wir bitten um Entschuldigung.