Selbst wenn alle feiern, wenn scheinbar alles gut ist, gibt es einen, der nicht lacht. An diesem Abend war es Miroslav Klose. Deutschlands vermeintlich bester Stürmer schaute in der 64. Spielminute enttäuscht über den Rasen. Er stand allein im Regen und brauchte einen kurzen Moment, um zu registrieren, dass seine Auswechslung nahte. Mario Gomez betrat für ihn das Spielfeld, Bastian Schweinsteiger übernahm die Kapitänsbinde. Gomez spielte danach munter mit im Offensiv-Zauber der Deutschen, eine Minute nach Kloses Abgang fiel dann das 3:0 durch Simon Rolfes, Schweinsteiger schoss keine sechzig Sekunden später das 4:0. Es schien ein bisschen, als wäre mit Kloses Auswechslung ein Klotz vom Bein gefallen; genauer: von der rechten Angriffseite des Nationalteams.

Bis zur 64. Spielminute hatte die deutsche Mannschaft den zweitklassigen Gegner aus dem 35.000 Einwohner großen Fürstentum zwar bedingungslos beherrscht. Die Liechtensteiner erspielten sich keine gefährliche Tormöglichkeit und wurden von der deutschen Offensive mit sicheren Kombinationen zeitweise vorgeführt. Doch fast alle dieser so schön anzusehenden Ballstafetten spielten sich auf der linken Angriffsseite ab. Philipp Lahm, Piotr Trochowski und Lukas Podolski waren die Helden. Über ihre Seite sprang der Ball oft zielstrebig mit nur einer Berührung wie eine Ping-Pong-Kugel vor das Tor der Liechtensteiner.

In der 21. und 48. Minute vollendete Podolski den Angriffswirbel mit zwei Linksschüssen zum 1 und zum 2:0. Podolski, bei Bayern bisher Ergänzungsstürmer hinter Miroslav Klose war der auffälligste Spieler auf dem nassen Platz. Nach einer Viertelstunde hatte der Kölnverbundene sogar einmal seinen im Formtief versunkenen Sturmpartner im Strafraum angespielt. Klose stand frei vor dem Tor, schaute auf den Torwart und schoss den Ball unbedrängt zwei Meter vorbei. Bundestrainer Joachim Löw schickte ihn dennoch auch zur zweiten Halbzeit auf den Platz, aber einen großen Gefallen tat er dem einstigen Torjäger damit nicht. Was Klose misslingen konnte, misslang ihm.