Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre neue Studie Bildung auf einen Blick vorgestellt, die die Bildungssysteme der 30 wichtigsten Industrienationen miteinander vergleicht. Wie in jedem Jahr gibt sie in Deutschland wenig Anlass zur Freude. Waren im vergangenen Jahr die Ungerechtigkeit und mangelnde Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems die Hauptkritikpunkte, so ist es in diesem Jahr die Tatsache, dass es Deutschland an hochqualifizierten Arbeitskräften mangelt. Das ist natürlich schon länger bekannt. Doch bei der Ausbildung Hochqualifizierter fällt Deutschland weiter zurück, stellt die Studie fest, die überwiegend auf Daten von 2005 und 2006 basiert.

Zwar ist der Anteil der Hoch- und Fachhochschulabsolventen je Jahrgang von 2000 bis 2006 von 18 auf 21 Prozent gestiegen. Im OECD-Schnitt wuchs der Graduiertenanteil im gleichen Zeitraum allerdings von 28 auf 37 Prozent, also nicht nur deutlich stärker, sondern auch auf einem viel höheren Niveau.

Zu befürchten ist, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren noch verstärken wird. Die Entwicklungen der Studienanfängerzahlen legen das nahe. Diese stagnieren hierzulande zwischen 35 und 37 Prozent eines Jahrgangs, während sich der Anteil im OECD-Mittel von 2003 bis 2006 von 53 auf 56 Prozent erhöht hat. "Im internationalen Vergleich kann die Entwicklung in Deutschland nicht befriedigen", sagte die für Bildung zuständige OECD-Direktorin Barbara Ischinger.

Aus den Versäumnissen bei der Ausbildung folgt, dass Deutschland seinen Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften nicht aus eigener Kraft decken kann. Auf 100.000 Erwerbstätige im Alter von 25 bis 34 Jahre kommen hier 1423 Hochqualifizierte mit naturwissenschaftlich-technischem Studium, im OECD-Schnitt sind es 1649. Dass in kaum einem anderen OECD-Land der Anteil der Studierenden, die einen Abschluss in naturwissenschaftlich-technischen Fächern erwerben, so hoch ist wie in Deutschland, tröstet nicht. Denn die Absolventenquote in Deutschland ist insgesamt zu gering.

Doch es gibt auch positive Entwicklungen zu verzeichnen. Eine Spitzenstellung nimmt Deutschland bei den Postgraduierten ein. Der Anteil der Promovierten oder vergleichbar Qualifizierten liegt bei 2,3 Prozent je Jahrgang. Nur in Portugal und der Schweiz ist dieser Anteil höher. Auch was die Studienabbrecherzahlen betrifft, erlangt Deutschland gute Werte - zumindest im Vergleich. Mit 23 Prozent liegt der Anteil weit unter dem OECD-Schnitt von 31 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Studierenden in Deutschland ist weiblich (55 Prozent, 2000: 50 Prozent), damit liegt Deutschland sogar leicht über dem OECD-Schnitt (54 Prozent). In Mathematik und Informatik sind Frauen mit 35 Prozent gegenüber 24 Prozent im OECD-Schnitt deutlich überrepräsentiert, in den Ingenieurswissenschaften kehrt sich das Bild mit 16 gegenüber 22 Prozent allerdings um.