Politik kann manchmal ziemlich paradox sein. Gerade erst hat eine Umfrage dem Berliner CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger bescheinigt, dass sein Kurs, in der Hauptstadt eine Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen anzustreben, von 65 Prozent der CDU-Anhänger für richtig gehalten wird. Trotzdem gilt es als ziemlich sicher, dass Pflüger eine Abstimmung über seine Person in seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus an diesem Donnerstag nicht überstehen wird. Für den ehrgeizigen Niedersachsen könnte das zumindest vorläufig das Aus für seine politische Karriere bedeuten.

Es wäre ein ziemlich kurzer Showdown für einen Mann, der einst als politisches Wunderkind startete. Und der 2006 mit dem Anspruch aus der Bundes- in die Berliner Landespolitik wechselte, der seit der Bankenaffäre 2001 chronisch in der Krise steckenden Hauptstadt-Union an die Macht zurück zu verhelfen.

Das Drama begann, als Pflüger letzte Woche nach Putschgerüchten überraschend für seine Parteifreunde und unabgesprochen auch Anspruch auf den Landesvorsitz anmeldete. Die mächtigen Kreisvorsitzenden der Berliner CDU verweigerten ihm ihre Zustimmung. Pflüger lenkte bei einem nächtlichen Krisentreffen zunächst ein, nur um wenige Stunden später dann doch wieder seine Forderung zu erneuern, Partei- und Fraktionsvorsitz in einer, seiner Person zu vereinen – und verprellte damit seine letzten Unterstützer. Prompt gingen die Bezirkschefs und der Landesvorsitzende Ingo Schmitt, sein Kontrahent, auf direkten Konfrontationskurs.

Nun wird die Fraktion am Donnerstag über die Abwahl Pflügers abstimmen. Zwar braucht es für seinen Sturz eine Zweidrittelmehrheit. Doch nach den Querelen der vergangenen Tage gibt es kaum Zweifel an deren Zustandekommen.

Als Pflüger, bis dahin Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, sich 2006 als Spitzenkandidat für die Berliner CDU zur Verfügung stellte, tat er das mit großen Ambitionen. Dem als ausgesprochen piefig geltenden Landesverband wollte er das Image einer modernen Großstadtpartei verpassen. Er vertrat einen liberalen Kurs, Themen wie Ökologie, Frauen und Integration spielten plötzlich eine Rolle.

Zumindest über das dahinter stehende strategische Konzept gibt es in der CDU kaum Dissens. Schwarz-Gelb dümpelt in den Umfragen bei knapp über 30 Prozent, die Jamaika-Variante mit den Grünen käme dagegen auf 46 Prozent, die regierende rot-rote Koalition liegt derzeit nur bei 45 Prozent. Die Notwendigkeit, die CDU in Richtung Grün zu öffnen, ist also offensichtlich.

Dass es nicht in erster Linie ein inhaltlicher Streit ist, der Pflüger nun vermutlich den Kopf kosten wird, beweist auch die Tatsache, dass die Kreisvorsitzenden ihm zwar den Anspruch auf den Landesvorsitz verweigerten, sein Strategiepapier, mit dem er das Profil der CDU als "Partei der bürgerlichen Mitte" schärfen wollte, jedoch akzeptierten.