Und trotzdem liegt hinter Pflügers möglichem Scheitern eine gewisse Logik. Ein Teil der Ablehnung liegt in seiner Person begründet. Der Hang zur Exaltiertheit, zum großen Gestus, seine persönliche Eitelkeit, das alles kam in der Berliner CDU nicht gut an.

Was die Partei ihm allerdings wirklich übel nimmt, sind seine schlechten Umfragenwerte. In einer Umfrage vom Sommer landete Pflüger unter 16 zur Auswahl gestellten Berliner Politikern auf dem letzten Platz, noch hinter Finanzsenator Thilo Sarazin (SPD), der durch provokante Interviews eigentlich so ziemlich jede Zielgruppe gegen sich aufbringt. Schon bei seiner Wahl 2006 hatte die einst lange in Berlin regierende CDU mit ihm als Spitzenkandidat das schlechteste Ergebnis seit dem Krieg erzielt. Und sich davon bis heute nicht erholt.

Darüber hinaus hat Pflüger eine Reihe von Fehlern gemacht. Er engagierte sich für Ziele, die kaum zu erreichen waren, weil die Weichen bereits anders gestellt waren. Das galt zum Beispiel für das Bemühen, den alten West-Berliner Bahnhof Zoo auch nach der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes als Haltepunkt für Fernzüge zu erhalten. Sein Kampf für die Offenhaltung des Flughafens Tempelhof hätte zum großen Coup werden können. Doch das Volksbegehren scheiterte an zu geringer Beteiligung. Die gerade erst begonnene Öffnung zu den Grünen hat diese Aktion zudem belastet.

Den schwersten taktischen Missgriff beging er jedoch, als er im vergangenen Jahr nicht zugriff, als die Wahl zum Landesvorstand anstand. Damals, meinen Parteimitglieder, wäre dies nicht aussichtslos gewesen. Bei seinem jetzigen Vorstoß war er schon ein Getriebener.

Allerdings muss man Pflüger zugutehalten, dass die besondere Struktur und der Zustand der Berliner CDU es noch jedem Politiker, der von außen kam, schwer machte. Christoph Stölzl, der hier 2003 vor Pflüger scheiterte, kann ein Lied davon singen. Die eigentliche Macht haben seit alten Westberliner Zeiten die Kreisverbände und deren Chefs. Sie verwalten das Geld und entscheiden über die Posten. Auch die Parlamentarier sind von ihnen abhängig. Allerdings halten selbst seine Unterstützer Pflüger vor, sich um diese verkrusteten Strukturen nicht genug gekümmert zu haben.

In Berlin wird nun heftig über mögliche Nachfolger spekuliert. Fraktionschef könnte der bisherige Generalsekretär Frank Henkel werden. Der ist allerdings ein konservativer Hardliner, besonders wenn es um Innere Sicherheit geht. Der Jamaika-Kurs dürfte mit ihm schwierig werden. Als Spitzenkandidatin für die nächste Landtagswahl böte sich Monika Grütters an, ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende, derzeit im Bundestag. Eine kluge Frau, die Pflügers Kurs der Öffnung glaubhaft fortsetzen könnte.

Für Pflüger selbst sieht es dagegen finster aus. Nach Informationen der Berliner Zeitung sollen sich Spitzenpolitiker der Bundes-CDU bereits bemüht haben, ihm eine Kandidatur für den Bundestag oder das Europaparlament zu verschaffen. Doch bisher scheint in Berlin niemand bereit zu sein, zu seinen Gunsten zu verzichten.