Es gibt sie immer häufiger, die Männer, die plötzlich aus freien Stücken Macht und Einfluss aufgeben. Entweder ziehen sie sich für eine Weile ganz ins Private zurück oder aber sie reduzieren die Anzahl ihrer Aufgaben.

Man erinnert sich an Fotos von Oskar Lafontaine, der im heimischen Garten mit seinen Söhnen spielt – von seiner wuchtigen Rückkehr in der Politik war damals noch nichts zu spüren. Lafontaine gab ganz den Privatier.

Dann war es Platzeck, der nach nur ein paar Monaten sein Amt als SPD-Vorsitzender niederlegte. Der noch sehr junge, ostdeutsche Hoffnungsträger der SPD hatte eine Blitzkarriere sondergleichen hingelegt, dennoch entschied er sich gegen Glanz und Gloria und widmete sich wie zuvor in erster Linie seinem Bundesland Brandenburg.

Und dann Franz Müntefering, der im Dezember 2007 sein Amt als SPD-Vorsitzender niederlegte, nur noch sein Bundestagsmandat behielt, um sich der Pflege seiner krebskranken Frau zu widmen – ein für einen männlichen Politiker bislang beispielloser Vorgang. Dass sich Frauen ins Private zurückziehen, um einen kranken Ehemann zu pflegen, passiert jeden Tag und verwundert niemanden. Im Gegenteil, eine Frau, die einem prestigeträchtigen Fulltimejob nachgeht, während der krebskranke Mann zu Hause im Bett liegt, muss sich rechtfertigen und gilt als gefühlskalt.

Und nun, seit Sonntag, auch noch Beck, dem alles zu viel wurde, der sich verletzt zeigt und sich ebenfalls für überschaubare Landespolitik statt für die große Berliner Bühne entschied, auch wenn nicht ganz klar ist, wie freiwillig dieser Schritt tatsächlich erfolgte.

Haben sich die Zeiten – nun doch – geändert? Phänomene wie diese können nur als markante, öffentlichkeitswirksame Symptome einer sich wandelnden Gesellschaft interpretiert werden - einer Gesellschaft, in der sich keiner mehr fürchten muss, ein Argument wie "ich ziehe mich aus der Politik zurück, um meine Frau zu pflegen", würde sein Ansehen vollständig und dauerhaft ramponieren. Es ist ein stückweises Ausloten neuer Spielräume für Männer, das hier stattfindet.

Neue Spielräume ergaben sich bisher eher für Frauen: In einem zähen Kampf haben sie über Jahrzehnte langsam an Macht und Einfluss gewonnen - auch wenn sie immer noch für die gleiche Tätigkeit in Deutschland im Schnitt 25 Prozent weniger Lohn als Männer erhalten und im oberen Management kaum anzutreffen sind.