Mit dem Baader Meinhof Komplex kommt am 25. September die bislang aufwendigste Produktion über die RAF in die deutschen Kinos. Regie führt Uli Edel (Wir Kinder vom Bahnhof Zoo). Produzent Eichinger schrieb das Drehbuch. Stefan Aust lieferte die Vorlage. Versammelt ist die gesamte deutsche Schauspielprominenz - von Moritz Bleibtreu (Andreas Baader) bis Martina Gedeck (Ulrike Meinhof) und Johanna Wokalek (Gudrun Ensslin).

Seit Ende der siebziger Jahre haben sich deutsche Regisseure immer wieder an das Thema Deutscher Herbst gewagt – und damit Kritik, Skandale und öffentliche Debatten ausgelöst. Die wichtigsten Filme und ihre Rezeption in der Öffentlichkeit:

Deutschland im Herbst (1978)
Regie: Alf Brustellin, Hans Peter Cloos, Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge, Beate Mainka-Jellinghaus, Maximiliane Mainka, Edgar Reitz, Katja Rupé, Volker Schlöndorff, Peter Schubert, Bernhard Sinkel
Darsteller: Rainer Werner Fassbinder, Wolf Biermann, Hannelore Hoger u.a.

Das Standardwerk zur Lage der Nation. Elf Regisseure des Neuen Deutschen Films zeichnen in verschiedenen Szenen, wie verstört und zum Teil hysterisch die deutsche Öffentlichkeit auf den Terror der RAF reagierte. Der Film beginnt mit Aufnahmen der Schleyer-Beerdingung und endet mit den Ausschreitungen nach dem Begräbnis von Baader, Ensslin und Raspe auf dem Stuttgarter Friedhof. Dazwischen beleuchten die Filmemacher in teils emotionalen, teils ironischen Sequenzen, wie der Terrorismus das Denken und Handeln von Staat und Bürgern beeinflusste. Rainer Werner Fassbinder führt ein Streitgespräch mit seiner Mutter über Demokratie. Heinrich Böll schrieb eine Episode, in dem ein Gremium von Fernsehverantwortlichen Sophokles’ Antigone aus dem Programm nimmt. Begründung: Das Stück sei "zu aktuell", außerdem kämen darin "terroristische Weiber" vor.
Nachdenklich, aber nie plakativ ziehen die Filmemacher Parallelen zwischen dem Deutschen Herbst und Mechanismen des Dritten Reichs. Die Filmemacher dokumentieren letztlich ganz offen ihre eigene Ratlosigkeit über den "richtigen" Umgang mit dem Terrorismus der RAF. DIE ZEIT lobte Deutschland im Herbst 1978 als "wichtigsten Film der Berlinale".

Baader (2002)
Regie: Christopher Roth
Darsteller: Frank Giering, Laura Tonke, Birge Schade, Jana Pallaske

Terrorismus als Popkultur. Fashion Victims tragen T-Shirts mit der Aufschrift "Prada Meinhof", der Deutsche Herbst erlebt seinen "zweiten Frühling". Dazu passt Christopher Roths Spielfilm Baader. Er zeigt die Terroristen als spät pubertierende Möchtegern-Guerilleros, im Mittelpunkt das ständig knutschende Liebespaar Baader-Ensslin.
In seinem Drehbuch erlaubt sich der Journalist Moritz von Uslar einige künstlerische Freiheiten: Er zeigt ein nächtliches Treffen zwischen Baader und Polizeipräsident Kurt Krone, das es nie gegeben hat. Am Ende lässt er seinen Baader nicht im Gefängnis, sondern - in Slow Motion - im Kugelhagel der Polizei sterben.
Von der Kritik wurde der Film vor allem wegen seiner naiven Heldenverehrung gescholten. Gefährlich ist jedoch vor allem das Vermischen von historischen Fakten und fiktiven Einfällen. Zugute halten kann man Baader immerhin, dass er seine Hauptfigur nicht nur als charismatischen Rebellen, sondern vor allem als Macho und Blender darstellt.