Das gab Steinmeier am Sonntagnachmittag nach einer turbulenten Klausur der SPD-Führung am brandenburgischen Schwielowsee bekannt. Beck hatte das Treffen bereits wenige Minuten nach seiner Ankunft wortlos wieder durch einen Hintereingang verlassen.

Zuvor hatte er mit seinen Stellvertretern Steinmeiner, Andrea Nahles und Peer Steinbrück und der übrigen engen Parteiführung an einem anderen Ort beraten. Angeblich wirft Beck Steinmeier vor, die Entscheidung, dass dieser und nicht Beck Kanzlerkandidat wird, vorzeitig den Medien gesteckt zu haben. Beck hatte sich ausbedungen, dass er als Vorsitzender diese Entscheidung verkündet. Auch andere führende SPD-Politiker reagierten verärgert darauf, dass sie von der vorzeitigen Kandidatenkür zuerst aus den Medien erfahren hatten.

Steinmeier hatte Beck angesichts des fortschreitenden Errosionsprozesses in der Partei und neuen Turbulenzen - unter anderem durch ein Linken-Papier und einen Wahlkampfauftritt von Müntefering in Bayern – in den vergangenen Tagen gedrängt, die Entscheidung in der K-Frage bereits jetzt zu treffen. Er war dann auch selbst in den Medien in die Offensive gegangen – offenbar zum Ärger von Beck, der sich düpiert fühlte. 

Steinmeier wird als Parteivize die SPD bis zu einem Sonderparteitag führen. Auf dem Parteitag soll dann Müntefering erneut zum Vorsitzenden gewählt und Steinmeier als Kanzlerkandidat nominiert werden.

Steinmeier sprach von einem schwierigen Tag für die SPD. Beck habe erklärt, für ihn habe seit vielen Monaten festgestanden, dass er, Steinmeier, die Kanzlerkandidatur übernehmen solle. Beide seien sich über diese Rollenverteilung einig gewesen.

Der Außenminister sagte, er wolle dafür kämpfen, dass in 365 Tagen wieder ein Sozialdemokrat regiert. "Ich trete nicht an, um auf Platz zu spielen", sagte er und versicherte: "Wir sind besser gerüstet als wir glauben." Die SPD wolle das Land neu gestalten. "Wir wollen, dass niemand am Rand der Gesellschaft zurückbleibt." Beck habe mit dem Hamburger Parteitag eine wichtige Grundlage für die politische Arbeit gelegt.