Weltmusik ist ein vager, hilfloser Begriff. Doch diese Schüchternheit hat auch etwas Gutes: Da verlässt jemand vertrautes Territorium und bricht auf ins Unerhörte. Jeden Tag sind Heerscharen von Produzenten unterwegs und halten der Welt ihr Mikrofon entgegen. Oder sie graben in verstaubten Ecken, auf Märkten, in Ramschläden nach alten Schallplatten. Vielleicht sind sie ja noch abspielbar und harren der Wiederveröffentlichung.

Miles Cleret betreibt die kleine Plattenfirma Soundway. Er sucht und sammelt Schallplatten. Er macht es wie ein DJ, mit einem Unterschied: Wenn er ein Land erlebt hat, kommt am Ende eine neue Platte mit seinen Lieblingsliedern heraus. Seine Zusammenstellungen leben von der Auslassung, sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sollen nur überraschen und unterhalten.

Cleret muss viel Zeit in Nigeria verbracht haben, denn er veröffentlicht Kompilationen nigerianischer Musik schatzkistenweise. Seine Serie Nigeria Special ist in vielerlei Hinsicht besonders. Ihr Schwerpunkt liegt in den Siebzigern, der Aufbruchszeit nach dem Biafra-Krieg. Unzählige Platten wurden in dieser Zeit veröffentlicht, da sich das Land dem Westen öffnete. Bands spielten nicht nur den halbwegs traditionellen Highlife mit seinen flirrenden Gitarrenläufen, sondern orientierten sich an Rock, Disco und Funk. Eine Art Re-Import, waren diese westlichen Musikstile doch sehr von der afrikanischen Musik beeinflusst. Die Rolling Stones und ihre Kollegen beeindruckten Musiker auf der ganzen Welt. Und freilich wurden ihre Musik, ihr Gebaren und Image auch in Nigeria adaptiert.