Auf ihrem Weg zum angestrebten Regierungswechsel in Wiesbaden sprach Andrea Ypsilanti am Dienstagnachmittag mit Fraktion und Vorstand der Linkspartei. Man habe versucht, die Zeitpläne für die kommenden Wochen in Übereinstimmung zu bringen, berichteten Ypsilanti und der Linken-Fraktionschef Willi van Ooyen danach. Es sei noch nicht um Inhalte gegangen. Ypsilanti sprach von einem "konstruktiven Gespräch in angenehmer Atmosphäre". Die Sondierung soll in absehbarer Zeit fortgesetzt werden.

Die SPD-Chefin und der Linken-Vertreter traten nach dem etwa einstündigen Gespräch in der SPD-Landesgeschäftsstelle allerdings nicht gemeinsam vor die Kameras. Über die teils konträren Bedingungen beider Parteien an ein rot-rot-grünes Tolerierungsbündnis sei nicht gesprochen worden, sagten sie übereinstimmend. Van Ooyen betonte, dass seine Partei eine rot-grüne Minderheitsregierung verlässlich stützen wolle: "Die Linke ist immer ein zuverlässiger Partner."

Van Ooyen wollte sich allerdings nicht festlegen, in welcher Form die Linke mit SPD und Grünen die Tolerierung vereinbaren wird. Dagegen sprach der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Reinhard Kahl von einem Prozess, "in dem man zum Schluss ein Papier unterschreiben muss".

Der Zeitplan bis zu einer möglichen Wahl Ypsilantis zur Ministerpräsidentin im November ist eng. Nach einer Serie von Regionalkonferenzen will die SPD erst auf einem Parteitag am 4. Oktober offiziell über Koalitionsverhandlungen mit den Grünen und Tolerierungsgespräche mit der Linken entscheiden. Am 1. November soll ein weiterer SPD-Parteitag die Verhandlungsergebnisse billigen. In der Zeit dazwischen sollen die Linken auf einem Parteitag und wahrscheinlich mit einem Mitgliederentscheid ihre Zustimmung geben.

Nach wie vor ist unklar, ob alle in der hessischen SPD diesen Weg mitgehen werden. Schließlich gibt es nach wie vor Widerstand. Ypsilantis Vorgänger an der hessischen SPD-Spitze, Gerhard Bökel, forderte sie auf, das "rot-rot-grüne Roulette in Hessen" zu stoppen.

Keinesfalls gefreut haben dürfte das Treffen die neue SPD-Spitze. Zwar äußerte sich Franz Müntefering, der designierte Parteichef, auf seiner ersten Pressekonferenz am Montag nicht explizit zu Ypsilantis Vorhaben. Aber es ist bekannt, dass Müntefering und Kanzlerkandidat Steinmeier gegen eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei sind. In der Bundes-SPD heißt es sogar, Steinmeier lasse in Wiesbaden Abgeordnete suchen, die eine Wahl Ypsilantis zur Ministerpräsidentin verhindern wollen.