Kurz vorm Ortseingang von Garmisch-Partenkirchen hängt ein überlebensgroßes Plakat von Günther Beckstein. Der CSU-Ministerpräsident verspricht den Bürgern der südbayerischen Marktgemeinde darauf "Sicherheit", sollten sie auch weiterhin für ihn und seine Partei stimmen. Kennt man die jüngere Geschichte des Touristenortes nahe der Zugspitze, wirkt das Wahlplakat des Landesvaters fast wie eine Drohung: Wer sich von der CSU wegbewegt, gerät in Gefahr, lautet die zweite Botschaft.

Denn in Garmisch-Partenkirchen ist nichts mehr so, wie es Jahrzehnte lang gewesen ist. Bis zur Kommunalwahl im März regierte hier die CSU unangefochten, seit über 30 Jahren mit absoluter Mehrheit. Doch dann im Frühjahr fiel sie auf 25,4 Prozent, eigentlich SPD-Niveau in Bayern. Nirgendwo brach die CSU landesweit mehr ein.

Seither hat die Partei in ihrer früheren Hochburg nicht mehr viel zu sagen. Sie ist in der Opposition, stellt nicht mehr den Bürgermeister, hat nicht einmal mehr einen Posten im Aufsichtsrat der Zugspitzbahn. 

"Geschieht ihr recht", sagt Franz Grabo. Er ist im vorigen Jahr aus der CSU ausgetreten und hat an der Spitze der Freien Wähler gegen seine alte Partei Wahlkampf gemacht. Garbo ist 32 Jahre alt und Anwalt. Früher galt er nicht nur als einer der besten Skifahrer der Gegend, sondern auch als eines der großen Nachwuchstalente der CSU. Heute klingt er traurig und zornig, wenn er über seine alte Partei spricht. Dass es zum Bruch gekommen ist, tue ihm "sehr leid", aber die Partei habe ihm "weh" getan. 

Die CSU in Garmisch-Partenkirchen werde von der "grünen Mafia" beherrscht, wie Grabo das nennt, von Menschen, die Volkstrachten tragen und deren Familien seit Jahrhunderten am Fuße der Alpen leben. Diese "Mafia" habe bislang die kommunalen Chefposten unter sich aufgeteilt. Wichtige Entscheidungen seien in Hinterzimmern ausgekungelt worden, Andersdenkende seien gemobbt, Ambitionierte klein gehalten worden. In der Ära Stoiber sei die CSU zu einer "Apparatschik-Partei" degeneriert, schimpft er. Das zeige sich nicht nur auf personeller, sondern auch auf inhaltlicher Ebene. Die Schulreform und das rigide Rauchverbot seien doch weltfremd. 

Grabo sitzt in seiner Küche, über ihm hängt ein Kruzifix. Hier in Farchant, einer 4000-Einwohner-Gemeinde nördlich von Garmisch-Partenkirchen, hatten die Altvorderen der Partei ihm, dem langjährigen JU-Chef, früher einmal das Bürgermeisteramt in Aussicht gestellt. Weil er das dann etwas forsch angestrebt hatte, wurden plötzlich "Schauermärchen über mich erzählt". Dass er ein Schläger und ein Säufer sei, hieß es fortan. Dabei habe er sich seit seiner Jugend nicht mehr gerauft, beteuert er. Grabo holte für die Freien Wähler bei der Bürgermeisterwahl 4,7 Prozent. Seine politische Karriere will er nun, wie viele seiner Freunde, frühzeitig beenden.