Der Streit ist nicht neu. Doch die Voraussetzungen haben sich verändert. Denn an einer Stelle sind sich alle Erhebungen einig: die Zahl der Kinder steigt, die einen Computer benutzen.

In der nun erschienenen Studie "Bildung via Internet: Wie vernetzt sind Deutschlands Kinder?" zeichnet sich ein klares Bild: 70 Prozent der Kinder unter 16 Jahren haben einen Zugang zu einem gemeinschaftlich genutzten Computer in der Familie, 36 Prozent haben einen eigenen. Bereits fast zwei Drittel der Fünf- bis Sechsjährigen wissen, wie man einen Computer bedient, unter den 11- bis 15-Jährigen sind es über 90 Prozent. Gymnasiasten haben fast zu 100 Prozent Zugang zu einem Computer. Keine Frage: Das Gerät gehört zum Aufwachsen dazu.

TNS Infratest hat repräsentativ 1000 Haushalte – also wahrscheinlich vor allem Eltern – befragt. Aber was bedeutet das? Verdummt die Jugend durch Computer oder wird sie schlauer?

Eine Frage der Perspektive. Die von IT-Unternehmen in Auftrag gegebene Studie kommt wahrscheinlich nur allzu gerne zu dem Schluss, dass die Computernutzung die schulischen Leistungen positiv beeinflusst. Dazu werden unter anderem Zahlen herangezogen, die Schulnoten mit der Nutzung vonLernsoftware in Beziehung setzen. Schüler, die mit Hilfe von Computerprogrammen lernen, schneiden in der Schule oft gut ab. Aber was sagt das schon aus?

Man kann annehmen, dass nur wenige Kinder von allein auf die Idee kommen, mitunter sehr teure Lernprogramme auf dem Computer zu installieren. Vielmehr sind es wohl die Eltern, die ihren Nachwuchsdazu anhalten, mit dem Computer zu lernen. Bereits in der Vergangenheit haben Studien gezeigt, dass Schüler, deren Eltern sich für die Bildung ihrer Kinder stark interessieren, auch zu besseren Schulleistungen neigen.

Ein Computer im Haus allein lässt ein Kind wohl nicht besser in der Schule werden. Doch ein paar Ansatzpunkte bieten die Forschungsergebnisse: Die schulischen Leistungen variieren, je nachdem, welche Programme die Kinder benutzen. Wird viel gespielt, hat das keine positiven Auswirkungen auf die Noten. Lernsoftware sowie diverse Multimedia-Anwendungen können dazu beitragen, Neues zu lernen. "Es ergibt sich ein extrem konsistentes Bild," sagt Wolfgang Neubarth, Autor der Studie beim Marktforschungsunternehmen TNS Infratest.