Im Alter von 21 Jahren und 73 Tagen hat sich der Toro-Rosso-Pilot aus Heppenheim mit seinem Sensationserfolg beim Großen Preis von Italien am Sonntag in den Rekordbüchern der Königsklasse verewigt. "Das war der beste Tag in meinem Leben. Diese Bilder, diese Emotionen werde ich nie vergessen", sagte Vettel, der in Monza erst seinen 22. Grand Prix fuhr. "Er hat das bravourös gemacht. Ich habe schon mit die Däumchen gedrückt, dass das Auto hält", verriet Rekord-Weltmeister und Augenzeuge Michael Schumacher, der vor knapp zwei Jahren in Shanghai für den letzten Sieg eines Deutschen gesorgt hatte.

Hinter Vettel musste sich McLaren-Mercedes-Mann Heikki Kovalainen mit Rang zwei begnügen, Dritter wurde der Pole Robert Kubica im BMW-Sauber. Lewis Hamilton verteidigte als Siebter seine WM-Führung mit einem Punkt Vorsprung, weil Verfolger Felipe Massa beim Ferrari-Heimspiel nicht über Rang sechs hinauskam.

"Bravissimo", rief sein Toro-Rosso-Team Vettel direkt nach der Zieldurchfahrt beim 14. von 18-Saisonläufen via Boxenfunk zu. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Mir fehlen die Worte. Grazie mille, grazie mille. Ein perfektes Rennen", jubelte Vettel. "Traumhaft, fantastisch", meinte Toro-Rosso-Mitinhaber Gerhard Berger. Jungspund Vettel lieferte einen Tag nach seiner nicht minder überraschend herausgefahrenen Pole Position im Königlichen Park von Monza sein Meisterstück und löste den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso als jüngsten Grand-Prix-Gewinner ab. Alonso war bei seinem Erfolg in Ungarn 2003 knapp ein Jahr älter gewesen. "Ich brauche jetzt noch ein bisschen, bis ich überhaupt realisiert habe, was heute passiert ist", sagte Vettel.

Im Schatten der Vettel-Gala gelang Titelaspirant Hamilton eine Woche nach dem "Urteil von Spa", als ihm der Sieg in Belgien nachträglich aberkannt worden war, zumindest Schadensbegrenzung. Nach der verpatzten Reifenwahl und Platz 15 in der Qualifikation lieferte der Brite auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke eine tolle Aufholjagd und hatte sogar den Sieg vor Augen. Doch auf dem abtrocknenden Kurs war er zu einem Wechsel auf Allwetter-Reifen gezwungen und musste daher mit zwei WM-Punkten vorlieb nehmen. "Nach diesem Startplatz noch Punkte zu machen, ist okay", befand Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Massa indes konnte seine Chance zur Übernahme der WM-Führung nicht nutzen, fuhr ein durchschnittliches Rennen und stockte sein Konto im Titelrennen auf 77 Zähler auf. Hamilton hat nun 78 Punkte und kann zudem in der Berufungsverhandlung zur Strafversetzung von Spa noch auf vier weitere Zähler am "Grünen Tisch" hoffen.

Wohl endgültig aus dem Titelkampf ist Champion Kimi Räikkönen, der als Neunter ohne Punkte blieb und nun schon 21 Punkte hinter Hamilton liegt. BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) fuhr in Monza auf Rang fünf, der Wersauer Timo Glock wurde im Toyota 11. Nico Rosberg (Wiesbaden) steuerte seinen Williams auf Rang 14, Adrian Sutil (Gräfelfing) kam im Force India nicht über Platz 19 hinaus.