Der Hurrikan "Ike" hat an Amerikas Südküste schwere Verwüstungen angerichtet und Milliardenschäden hinterlassen. Die Straßen in Houston waren von Scherben und Schutt übersät, Küstenorte von Überschwemmungen gezeichnet und Millionen Menschen ohne Strom. Insgesamt traf der Sturm den Bundesstaat am Wochenende jedoch nicht so stark wie ursprünglich befürchtet. US-Heimatschutzminister Michael Chertoff rechnet damit, dass es "ein paar Tote" gegeben habe. Während "Ike" am Sonntag weiter nach Norden zog, begannen in Texas und Louisiana die Aufräumarbeiten.

Chertoff erklärte, bisher seien 940 Menschen gerettet worden. Jedoch sei zu befürchten, dass die Hilfskräfte auch Tote bergen würden. "Es kann sein, dass wir Menschen in den Trümmern finden, die nicht rechtzeitig weggekommen sind", sagte er am Sonntag. "Glücklicherweise ist das schlimmste Szenario nicht eingetreten", sagte Texas Gouverneur Rick Perry, jedoch habe es "sehr große Zerstörungen" gegeben. Besonders das Stromnetz wurde beschädigt. 4,5 Millionen Menschen könnten für einige Wochen von der Elektrizität abgeschnitten bleiben. Ein Manager des Unternehmens Eqecat, das für Versicherer Schadensprognosen macht, schätzte die Schäden auf acht bis 18 Milliarden Dollar.

"Ike" war am Samstag mit einer meterhohen Wand aus Wasser auf die dicht besiedelte Küste von Texas getroffen. Mit Windgeschwindigkeiten von 175 Kilometern in der Stunde lag er nur knapp unter der Kategorie 3. Der Sturm hatte einen enormen Umfang: Er war fast so groß wie der Bundesstaat Texas, der wiederum fast doppelt so groß wie Deutschland ist. Hurrikan "Katrina", der vor drei Jahren New Orleans zerstörte und 1500 Menschen das Leben kostete, war deutlicher kleiner.

In der 80 Kilometer von der Küste entfernten Millionenmetropole Houston zerbrachen die starken Winde Fenster und Glassfassaden von Wolkenkratzern. Scherben und Trümmer flogen durch überflutete Straßen, viele Viertel waren wegen des steigenden Wassers und umgestürzter Bäume nicht passierbar.

Noch schwerer verwüstete "Ike" die Küstengebiete. Sechs Meter hohe Wellen schlugen gegen die Schutzmauern der vorgelagerten Insel Galveston, das Zentrum der Stadt war überschwemmt. Boote wurden losgerissen und auf die Straßen gewirbelt. 17 Häuser seien infolge der Überflutungen eingestürzt, erklärte ein Vertreter der Stadt. Die meisten der 60.000 Bewohner waren auf das Festland geflohen. Zurückgebliebene Bürger berichteten von einer schlimmen Nacht: "Es war der blanke Horror. Ich dachte, das Dach fliegt gleich davon", sagte Sherry Gil, die mit ihrer Familie auf halber Strecke zwischen Galveston und Houston ausharrte.

"Ike" fegte auch durch das Herz der US-Ölindustrie: Acht der 14 Raffinerien vor der Küste Texas stellten ihre Ölproduktion ein. Nach Angaben lokaler Behörden hielten sich aber auch hier die Schäden in Grenzen. US-Präsident George W. Bush versprach den Menschen, "sicherzustellen, dass die Verbraucher nicht die Folgen zu tragen haben". Die Regierung werde die Benzinpreise beobachten und Ausfälle bei der Versorgung durch Importe ausgleichen.