ZEIT ONLINE: Bei der US-Investmentbank Bear Stearns und den Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac hat die US-Regierung noch mit Geldspritzen und Garantien geholfen. Warum verweigert sie jetzt Lehman Brothers die Hilfe?

Martin Faust: Zum einen sind die finanziellen Mittel der US-Regierung ausgeschöpft. Zum anderen ist die Krise so gravierend, dass Kosmetik nichts mehr hilft. Lehman Brothers hat ganz einfach Pech gehabt, weil der Bankrott in einer späteren Phase passierte. Es geht hier vor allem um Vertrauen – und der Vertrauensverlust ist mittlerweile so groß, dass auch die Regierung es nicht mehr herstellen kann.

ZEIT ONLINE: Selbst die Bank of America weigerte sich, Lehman Brothers zu übernehmen. Stattdessen kauft sie jetzt die Investmentbank Merrill Lynch. Welche Rolle spielt sie in der Bankenkrise?

Faust: Die Bank of America ist glimpflich durch die Krise gekommen. Durch den Kauf von Merrill Lynch verstärkt sie jetzt ihr Investmentbankgeschäft. Dadurch erlangt sie einen strategischen Vorteil – allerdings zu einem stolzen Preis von 50 Milliarden US-Dollar und ohne die Risiken in den Büchern von Merrill zu kennen. Zudem ist sie auch an dem internationalen Bankenkonsortium beteiligt, das die Finanzmärkte stabilisieren will – muss also auch dort Lasten schultern.

ZEIT ONLINE: Ist mit Lehman Brothers das Ende der Bankenkrise nun endlich in Sicht?

Faust: Nein, die Finanzkrise geht weiter. Lehman Brothers ist nur ein weiterer Höhepunkt. Die Krise schwächt jetzt auch solide Institute, die die Rettungsmaßnahmen finanzieren und Wertberichtigungen in ihren Büchern machen müssen.

ZEIT ONLINE: Welche Bank könnte die nächste sein?

Faust: Auf dem amerikanischen Markt gerät die Citibank immer weiter ins Schlittern. Sie ist die größte Bank in den USA und einer der größten Gläubiger. Allerdings wird sie sicher nicht fallen, dafür wird die Regierung sorgen.