Fast schien es so, als hätte das an Superlativen nicht arme Urknall-Experiment am europäischen Kernforschungszentrum CERN einen weiteren Rekord gebrochen. Und zwar den für das am leichtesten zu knackende Sicherheitssystem. Bereits am Tag der Inbetriebnahme am vergangenen Mittwoch war es Hackern gelungen, ins Computernetz des Teilchenbeschleunigers einzudringen. Noch einen Schritt weiter, und die Angreifer hätten auf das Kontrollsystem eines der riesigen Detektoren zugreifen können, hieß es im Daily Telegraph .

"Alles nicht wahr", sagt James Gillies, Pressesprecher des CERN. Zu keinem Zeitpunkt sei die Sicherheit des Large Hadron Colliders (LHC) ernsthaft in Gefahr gewesen. Es sei lediglich eine Seite geknackt worden, auf der öffentliche Informationen zum größten Detektor des Beschleunigers zu lesen waren. Die Seite ist mittlerweile abgeschaltet. Der über 12 000 Tonnen schwere CMS-Detektor (Compact Muon Solenoid) soll die Kollision von Protonenteilchen beobachten und Hinweise auf die Ursprünge des Universums, Bruchteile von Sekunden nach dem Urknall, liefern.

Doch die Frage, ob die größte Experimentiermaschine der Welt vor Angriffen sicher ist, bleibt. "Prinzipiell ist es immer möglich, in Systeme einzudringen, die über das Internet erreichbar sind", sagt Karsten Porthun. Der Sicherheitsverantwortliche ist zuständig für den Schutz der Kontrollsysteme des Beschleunigerringes HERA am Deutschen Elektronen-Synchrotron in Hamburg. Allerdings geht Porthun davon aus, dass etwa die Sicherheitsnetzwerke am CERN "komplett abgekapselt" sind. Schließlich seien Hackerangriffe nichts Außergewöhnliches.

So sieht es auch James Gillies am CERN. Die Aufmerksamkeit sei allein deswegen so hoch, weil es hier eben um das größte wissenschaftliche Experiment überhaupt gehe. Der Angriff sei lediglich dazu da gewesen, "um uns auf Zack zu halten", sagt Gillies.