Die Bundesregierung hielt sich am Donnerstag mit Kommentaren zu dem neuen fürstlichen Ausfall aus dem kleinen Alpenstaat diplomatisch zurück. Doch unverkennbar haben die Spannungen zwischen beiden Ländern weiter zugenommen. Dabei war das Klima zwischen Deutschland und Liechtenstein nach der Steueraffäre im Frühjahr ohnehin schon getrübt.

In Vaduz betonte man zwar, der harte Vorwurf des Fürsten, die Bundesrepublik sei "in ihren Beziehungen zum Fürstentum Liechtenstein je länger, desto weniger geneigt, sich an den Grundprinzipien des internationalen Völkerrechts zu orientieren", stelle nur eine private Äußerung dar. Aber fest steht nach Ansicht von Beobachtern auch, dass viele Liechtensteiner dem großen Nachbarn gegenüber starkes Misstrauen empfinden. In Vaduz hört man häufig, dass Deutschland nicht immer feinfühlig im Umgang mit dem kleinen Nachbarn gewesen sei.

Dies gilt besonders im Steuerskandal, der in Deutschland im Frühjahr unter anderem zum Rücktritt von Post-Chef Klaus Zumwinkel geführt hatte. Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND hatte zuvor umfangreiches Datenmaterial über Steuerhinterziehungen deutscher Staatsbürger mit Hilfe von Stiftungen in dem Fürstentum sowie der fürstlichen Bank LGT von einem Informanten angekauft. Das wird in Vaduz als ein Vergehen gegen die eigene Souveränität angesehen.

Für den Präsidenten des liechtensteinischen Vereins Freunde von Yad Vashem, Markus Büchel, ist der Brief des Fürsten, in dem er seinen schiefen Nazi-Vergleich zog, zumindest verständlich. Die Verletzung der Souveränität Liechtensteins durch die Deutschen habe Geschichte. Schon im Dritten Reich habe Deutschland das Fürstentum unter Druck gesetzt, und die Gestapo habe damals in Liechtenstein ein Netzwerk an Informanten unterhalten.

Hans-Adam hatte Deutschland schon im März im Zusammenhang mit der Steueraffäre scharf kritisiert und dem BND vorgeworfen, "schlampig" gearbeitet zu haben. Das Fürstentum sei offenbar seit Ende des Kalten Krieges der große Feind des deutschen Bundesnachrichtendienstes, sagte der Fürst. Schon damals sprach er von einem gezielten und sorgfältig vorbereiteten Angriff Deutschlands.

Insbesondere die seit 70 Jahren dem Fürstenhaus gehörende LGT-Bank steht immer wieder in der Kritik ausländischer Regierungen und Steuerfahnder. Die Bank gehört zu 100 Prozent Fürst Hans-Adam II., der stets öffentlich eine rückhaltlose Aufklärung der Geldwäsche-Vorwürfe gefordert hat.

Liechtenstein, das 1806 mit dem Ende des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation als eigener Staat dem Rheinbund beitrat, war von 1815 an Mitglied des Deutschen Bundes. Nach dessen Auflösung im Jahr 1866 blieb das Land ein unabhängiger neutraler Staat. Dieses anzuerkennen falle vielen im großen Deutschland auch nach so langer Zeit immer noch schwer, heißt es in Vaduz.

(Von Heinz-Peter Dietrich/dpa)