Er hatte die Sache bis zum Ende durchkämpfen wollen. Doch sein Mut der Verzweiflung hat ihm nicht geholfen. Am Donnerstag wählte die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordneten Haus ihren Faktionschef Friedbert Pflüger mit einer Zweidrittel-Mehrheit ab. Dies bestätigte ein
Fraktionssprecher am Rande einer Sondersitzung der Abgeordneten. 26 der 37 Abgeordneten stimmten gegen den 53-Jährigen. Für Pflüger votierten 10 Parlamentarier, es gab 1 Enthaltung.

Es kann für Pflüger kaum ein Trost sein, dass die Abstimmung damit relativ knapp ausging. Seine Gegner hatten nur eine Stimme mehr als unbedingt notwendig. Doch selbst wenn die Abwahl an der Zwei-Drittel-Mehrheit gescheitert wäre, hätte Pflüger wohl nicht weitermachen können.

Im Anschluss an die Abstimmung bemühte er sich gleichwohl um Fassung. "Ich habe meinen Posten verloren, aber nicht meine Selbstachtung", sagte Pflüger vor Journalisten. Es sei keine Niederlage, wenn man abgewählt werde, so der 53-Jährige. "Eine Niederlage wäre es gewesen, wenn man dem notwendigen Grundsatzstreit aus dem Weg gegangen wäre."

Der Nachfolger steht auch schon fest. Direkt im Anschluss an den Sturz wählten die Abgeordneten den bisherigen parlamentarischen Geschäftsführer, Frank Henkel, zum neuen Fraktionschef. Henkel, der auch Generalssekretär der Berliner CDU ist, erhielt 33 Ja-Stimmen. Zwei Abgeordnete stimmten gegen ihn, zwei enthielten sich. Henkel ist seit der schweren Krise der Berliner CDU von 2001 nach Banken- und Parteispenden-Affäre der vierte Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus.

Er betonte anschließend, dies sei ein "schwieriger Tag" für alle Beteiligten gewesen, "menschlich wie politisch". Es sei keine "Richtungsentscheidung, sondern eine Personalentscheidung" in der Fraktion gefallen. Henkel gilt als konservativer Hardliner. Pflüger hatte dagegen eher einen liberalen Kurs vertreten.

Die Krise in der CDU war in der vergangenen Woche ausgebrochen, als Pflüger nach Putschgerüchten überraschend Anspruch auf den Landesvorsitz erhob. Nun hat das Debakel der vergangenen Tage auch den bisherigen CDU-Landesvorsitzenden Ingo Schmitt mit in den Abgrund gerissen. Dieser kündigte am Mittwoch an, im Mai 2009 nicht mehr für den Posten zu kandidieren. Zuvor hatten CDU-Mitglieder auch seinen Rücktritt gefordert. Sie warfen ihm vor, reine Machtpolitik zu betreiben, aber keine inhaltliche Botschaft zu haben.