Kaum ist es ums Rauchverbot in deutschen Gaststätten etwas ruhiger geworden, glimmt schon die nächste Debatte auf. Nicht zum ersten Mal fordert die Bundesärztekammer, Raucher gemäß den Kriterien der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD 10) als Suchtpatienten einzustufen und ihnen entsprechende medizinische Hilfe zuteil werden zu lassen.

Sind die rund 20 Millionen deutschen Raucher also nichts als hilflose Junkies, die ärztlicher Betreuung bedürfen? So will die Tabakindustrie den Appell der Ärzte natürlich verstehen – und poltert dagegen, dass man ja dann auch unseren geliebten Altkanzler Helmut Schmidt als Suchtkranken bezeichnen müsse. Ebenso wie die Bier-, Wein- und Schnapstrinker.

Und das geht natürlich nicht, in einer Gesellschaft, die das Recht auf Selbstbestimmung hoch hält. Wer sich kaputt machen will, darf das nach Ansicht der Zigarettenhersteller auf jeden Fall auch tun.

Ein Fünkchen Wahrheit mag dran sein an der Sache mit der Selbstbestimmung. Doch heißt das nicht, dass die Tabaklobby im Recht wäre. Und auch die Bundesärztekammer trifft mit ihrer Forderung nicht ins Schwarze. Denn weder ist die verbreitete Nikotinabhängigkeit allein durch medizinische Maßnahmen zu bewältigen. Noch löst man es durch Ignoranz.

Rauchen ist und bleibt einer der größten gesundheitlichen Risikofaktoren der westlichen Industrienationen. Allein unter den aktiven Rauchern der Bundesrepublik sterben daran laut Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für Nikotinforschung jährlich 140.000 Menschen. Und ja, Rauchen ist sehr wohl eine Droge, die abhängig machen und Entzugserscheinungen verursachen kann und den Raucher weiterrauchen lässt, selbst wenn er spürt, dass ihm das ganz und gar nicht gut tut.

Das alles ist medizinisch, statistisch, neurobiologisch und psychologisch gut belegt. Gesund ist Rauchen schlicht auf keinen Fall, und auf die Mehrheit der Betroffenen treffen die Kriterien für Suchterkrankungen tatsächlich zu.