Ich werde immer wieder gefragt, ob ich denn zu Hause, wenn niemand zusieht, auch so große Ansprüche ans Essen stelle wie in Restaurants, oder ob ich nicht heimlich auch schon mal eine Bratwurst verdrücke. Bratwürste, nein, die esse ich nicht. Wenn es denn bescheiden sein muß - und das ist sehr häufig der Fall - dann koche ich einen Reistopf.

Nudeln und Reis, das sind wohl die beiden billigsten Nahrungsmittel, aus denen sich trotz ihrer Alltäglichkeit Gerichte herstellen  lassen, die eindeutig zur Feinschmeckerküche   gehören. Beide besitzen viele Kohlehydrate, sind also bei unserer Ernährungsweise mit dem vielen Eiweiß notwendig - wie uns die Fachleute sagen. Ich bevorzuge den Reis. Nudeln scheinen mir zu wenig Variationsmöglichkeiten zu bieten.

Mit dieser Vorliebe bin ich nicht allein. Immer mehr Zeitgenossen glauben, in einer konsequenten Körner-Ernährung ein Mittel gegen viele Krankheiten oder doch wenigstens zu deren Verhütung gefunden zu haben. Ich kann mich dazu nicht äußern. Bei meinen kulinarischen Vorlieben spielt der gesundheitliche Wert einer Speise nur eine untergeordnete Rolle. Notorisch stark mit Giften belastete Produkte meide ich, gewiß. Den Reis esse ich aber nicht, weil er möglicherweise gesund ist. Er schmeckt mir.

Es gibt geschälten, ungeschälten und wilden Reis. letzterer ist manchmal sehr lecker. Ich weiß, daß gewisse Orientalen, die es sich leisten können, ihn mit Kaviar vermischen. Eine lächerliche Methode, teuer zu essen, sollte man meinen. Meinte ich auch - bis mir jemand diese Mischung vorsetzte. Nun finde ich allein schon den wilden Reis zu  teuer, also blieb es bei diesem einen Versuch. Der ungeschälte Reis wiederum ist mehr gesund als delikat.

Deshalb begnüge ich mich mit dem normalen, geschälten Reis, und zwar mit jener Sorte, die unter dem Namen Patna-Reis bekannt ist. Es sind lange, schmale Körner, die nicht sehr stark quellen und deshalb nicht so mehlig sind und nicht so leicht matschig werden wie andere Sorten. In unseren Geschäften sind vor allem zwei Marken vertreten: "Uncle Ben's" und "Kraft-Reis". Ich bevorzuge die letztere. Die italienischen Risotto-Gerichte, die offenbar matschig sein müssen, mag ich nicht, oder, um gerecht zu sein, ich mag sie nur bei zwei, drei italienischen Köchen, die es fertigbringen, daraus etwas mehr als einen plumpen Magenfüller zu machen.

Über die richtige Art Reis zu kochen, ist sehr viel geschrieben worden; nicht selten finde ich bei den jeweiligen Belehrungen einen weltanschaulichen Unterton. Mir ist es ziemlich egal, ob ich Reis linksherum rühren muß oder rechtsherum, damit die bösen Geister gebannt und die guten angelockt werden; mich interessiert das Resultat. Und dazu kann ich nur sagen: Es kommt nicht so drauf an! Ob nämlich der Reis vorher in öl oder Butter leicht angeschwitzt wird, bis er glasig ist, oder ob er ohne weitere Umstände einfach mit Wasser aufgesetzt wird, spielt nach meinen Erfahrungen keine Rolle.

Bedeutsam ist lediglich, daß es sich tatsächlich um Patna-Reis handelt. Unwichtig für den Geschmack finde ich darüber hinaus die Frage, ob Reis denn vor dem Kochen erst gründlich gewaschen werden muß. Ich habe alles ausprobiert: Bei mir wird er nicht gewaschen. Vielleicht bin ich nun für die reisessende Gemeinde unter meinen Lesern der letzte Banause; und freiwillig gestehe ich eine gewisse Leichtfertigkeit im Umgang mit diesen sympathischen Körnern. Kann durchaus sein, daß ich ihrer nicht wert bin.