Josef Viehhauser gegenüber dem ZEITmagazin über seinen damaligen Streit mit Siebeck:

"1985 war’s, unser zweites Treffen. Und es schlug bundesweite Wellen: "Starkoch setzt ‚Fresskritiker’ vor die Tür". Wobei die Bild-Schlagzeile keineswegs mein Ziel war. Und auch so nicht stimmte. Ich habe Wolfram Siebeck im Le Canard damals einfach nur gesagt, dass ich nicht für ihn kochen würde. Nie zuvor und nie danach hat er solche Töne in einem Restaurant verdauen müssen. Wobei er die Abfuhr in einer illustren Viererrunde mannhaft hinnahm.

Mir dagegen haben die Knie damals furchtbar geschlottert. Und doch – ich war es mir schuldig, konsequent zu bleiben. Vier Jahre hatte ich diesen Moment herbeigesehnt.
Was war geschehen? Siebeck dachte damals -1980- total frankophil. Nur französische Köche galten ihm etwas. Alle anderen – bestenfalls Schwamm drüber. Ein Standpunkt, der mich schwarz ärgerte. Denn ich war gerade von einer sehr teuren Rundreise durch französische Spitzen-Restaurants zurück – und hatte in der Hälfte einfach schlecht gegessen. Also griff ich ihn einem offenen Brief heftig an.

Offensichtlich jedoch konnte der Kritiker eine Kritik an ihm selbst nur schlecht verdauen. Prompt haute er mich 1981 gnadenlos in die Pfanne. Gelobt wurden nur die Desserts und die Weinkarte. Es dauerte bis 1995, als wir zum dritten Mal aufeinander trafen. Ich hatte in all den Jahren seine Publikationen sehr aufmerksam verfolgt und ihn als einen der ganz wenigen ernst zu nehmenden Kritiker erkannt. Deshalb freute mich darauf, für ihn zu kochen. Trotzdem war die Nervosität groß, als Barbara und Wolfram Siebeck herein kamen.

Bei einem Glas Champagner plauderten wir, als ob es nie Ungereimtheiten gegeben hätte. Danach durfte ich kochen und passende Weine aussuchen.
Meine Art zu kochen hat sich seit 1981 sicher verändert. Noch mehr hat sich Siebecks Geschmack verändert: er bevorzugt heute deutsche Rieslinge und Rotweine aus dem Burgenland. Diese Vorlieben hat er bis heute beibehalten, genauso beibehalten wie sein außergewöhnliches Talent zu schmecken und mit spitzer Feder darüber zu schreiben. Dass der Feinschschmecker in seiner aktuellen Ausgabe seinen Geburtstag auf den 22. September 1938 gelegt hat, wird ihn nicht wirklich stören."