Der Amokläufer hatte sich vor der Tat auf dem Internetportal YouTube bei Schießübungen mit seiner Pistole auf mehreren halbminütigen Videos präsentiert. Mit einer kleinkalibrigen Pistole übt er dort auf einer Schießbahn. Das jüngste Video ist fünf Tage alt, das älteste wurde vor drei Wochen hinzugefügt. Der Täter hatte sich an diesem Morgen zuletzt eingeloggt.

Wie Innenministerin Anne Holmlund wenige Stunden nach dem Amoklauf mitteilte, habe die Polizei diese Videos in der vergangenen Woche gesehen, den Urheber bis Freitag aber nicht erreichen können. Nachdem der Kontakt dann am gestrigen Montag zustande gekommen war, habe der zuständige Polizeibeamte jedoch keinen Grund zum Einschreiten gesehen. Der 22-Jährige durfte deshalb seinen Waffenschein und seine Pistole vom Typ Walther P22 behalten.

Einen Tag später stürmte der Mann mit seiner halbautomatischen Pistole die Berufsschule, tötete neun Schüler; mehr als zehn Verletzte wurden ins örtliche Krankenhaus der westfinnischen Kleinstadt gebracht. Eine der Verletzten, eine 21-jährige Frau, starb gegen Abend. Der Täter schoss sich nach dem Amoklauf selbst in den Kopf, überlebte diesen Selbstmordversuch aber zunächst. Mehrere Stunden später jedoch erlag er im Krankenhaus in Tampere seinen schweren Kopfverletzungen.

Der Amokläufer war am Vormittag gegen 11 Uhr Ortszeit in die Berufsschule gestürmt, als sich 200 Schüler dort aufhielten. Der Lehrer Raimo Kytälö berichtete im Rundfunk, etwa zehn Schüler seien von Schüssen getroffen worden. Wie die größte finnische Zeitung Helsingin Sanomat schreibt, begann der Amoklauf im Keller der Schule, wo gerade eine Klausur geschrieben wurde. Der Rundfunksender YLE berichtet, dass einige Schüler während des Amoklaufes Droh-SMS auf ihr Handy bekommen haben sollen. Kurz nach Beginn des Amoklaufs sei der Unterricht in den umliegenden Schulen beendet worden.

In der Schule brach während des Amoklaufs ein Großfeuer aus, das am Mittag unter Kontrolle war. Alle Gebäude seien evakuiert, teilte die Polizei mit. Sie hatte Antiterrorspezialisten zu der Schule beordert. Die Einsatzkräfte suchten nach möglichen weiteren Opfern in dem Gebäude. Medienvertreter können sich der Schule nur auf 200 Meter Entfernung nähern.

Finnland verzeichnet mit dieser Bluttat zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres einen schwer bewaffneten Amoklauf an einer Schule. Erst im November vergangenen Jahres hatte ein 18-jähriger Schüler nahe der Kleinstadt Jokela in einem Schulzentrum sechs Schüler, die Rektorin, und die Schulkrankenschwester erschossen. Er nahm sich das Leben.

Die finnische Regierung überlegt nach der Tat heute erneut, wie sie solche Unglücke in Zukunft verhindern kann. Ministerpräsident Matti Vanhanen machte deutlich, dass die Waffengesetze nochmals überdacht werden müssten. Bereits nach dem Amoklauf in Jokela hatte die Regierung die Regelungen verschärft. Außerdem wollte Vanhanen prüfen, inwieweit die Behörden auf derartige Tatankündigungen und Drohungen im Internet besser aufmerksam werden können. Er appellierte außerdem an seine Landsleute, zu Hause über das Geschehene zu sprechen. Gerade in dieser Situation müsse der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden.