Wie aus dem Entwurf des amerikanischen Rettungsplans hervorgeht, soll Finanzminister Henry Paulson umfassende Vollmachten in der schweren Bankenkrise bekommen. "Damit wird Paulson für einige Monate zum Diktator des US-Finanzsystems", sagte ein Wall-Street-Experte.

Aus dem staatlichen Rettungsfonds in Höhe von 700 Milliarden Dollar, an dem die Regierung arbeitet, sollen Problem-Hypotheken für Wohn- und Geschäftsimmobilien sowie mit Hypotheken besicherte Wertpapiere aufgekauft werden, die auf den Bilanzen der Finanzinstitute und der Wirtschaft lasten. Notenbank-Chef Ben Bernanke und Paulson wollen in den kommenden Tagen mit dem Kongress über Details beraten. Viele Einzelheiten des Plans sind noch nicht bekannt, etwa die Frage, welchen Preis die Regierung den Instituten für die faulen Kredite zahlt.

Präsident George W. Bush sagte, die Hilfen würden die Steuerzahler zwar beträchtlich belasten. Ohne das Paket würde es aber weitere Belastungen an den Finanzmärkten geben, was einen massiven Stellenabbau und die Entwertung der Rentenrücklagen bedeuten könne. Auch würde dann der Wert vieler Immobilien weiter sinken und der Darlehensmarkt für Häuser und Autos austrocknen. "Das Problem würde sich auf den Durchschnittsbürger ausweiten."

Die Präsidentin des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, sagte ein schnelles Entscheidungen zu, stellte aber Bedingungen. So müsse sichergestellt werden, dass die Regierung den Steuerzahlern rechenschaftspflichtig sei. Zudem müsse eine strenge Aufsicht über die Aktionen der Regierung eingeführt werden. Auch müsse umgehend an einer Reform zur Regulierung des Finanzmarktes gearbeitet werden. Darüber hinaus müsse ein Paket zur Stimulierung für die Wirtschaft geschnürt werden, das Jobs und Wachstum schaffe, um die Bürger mit niedrigen und mittleren Einkommen vor den Folgen der Finanzmarktkrise zu schützen.

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, John McCain, sprach von unüberlegtem Krisenmanagement. Sein demokratischer Rivale Barack Obama unterstützt dagegen die Entscheidungen der Regierung. Damit werde das Vertrauen in die Finanzmärkte gestärkt.

In Deutschland könnte die Krise die Konjunktur belasten. Der Spiegel berichtete, die Bundesregierung werde ihre Wachstumsprognose für 2009 auf etwa 0,5 von bislang 1,2 Prozent senken. Auch aus der Europäischen Zentralbank, dem Sachverständigenrat und der Industrie kommen zunehmend skeptische Stimmen zur Konjunktur 2009.