Manchmal vergisst man, wie jung Jazzmusiker sein können. Torsten Goods führt es auf seinem neuen Album vor: Es heißt 1980 – wie sein Geburtsjahr. Der Gitarrist und Sänger macht darauf eine nicht ganz ernst gemeinte These zum Konzept: Jeden Künstler präge die Musik seines Geburtsjahres.

Also erklingen Queens Crazy Little Thing Called Love und Billy Joels It’s Still Rock’n’Roll To Me, beide schon immer rückwärtsgewandt in Richtung Elvis, jetzt noch weiter zurückgedreht in die Swing-Ära. 99 von Toto wird zur coolen Easy-Listening-Nummer. Goods’ eigene Kompositionen gehen den umgekehrten Weg: Jazz im Stil der Achtziger, leicht bombastisch, etwas zu schnörkelig. Die Stimme changiert zwischen Al Jarreau, dem Toto-Gitarristen Steve Lukather und alten Swing-Croonern.

Goods, in Düsseldorf als Torsten Gutknecht geboren, tat seine ersten musikalischen Schritte in Rockbands, bevor er auf Lehrer wie Peter O’Mara, Jim Hall, John Scofield, Les Paul und George Benson traf. Das Fundament stimmt, seine Technik ist erstaunlich. Und gemessen an so manchem Mikrofonhalter im Pop ist selbst seine Stimme nicht schlecht. Goods’ Kompositionen bestechen nicht durch Radikalität, sind aber auch nicht unoriginell. Hm, ist das Jazz?

Ähnlich ist das auch mit anderen jungen Kollegen: Sie waten tief in den Pop und ragen doch weit genug heraus, um nicht im matschigen Einerlei unterzugehen.

Zum Beispiel Peter Cincotti, Jahrgang 1983: Klavierstunden mit vier, Profi mit zwölf, regelmäßige Auftritte in den Clubs von Manhattan während der High School, 2000 ein Preis beim Montreux Jazz Festival. Sein erstes Album ließ er 2003 von Phil Ramone produzieren, der einst Billy Joel und Barry Manilow unter den Fittichen hatte.