Für den Menschen ist CO 2 bekanntlich ein Problem, denn je mehr vom Treibhausgas Nr. 1 er in die Atmosphäre pustet, umso wärmer wird es auf der Erde.  Pflanzen dagegen sind auf das verruchte Gas sogar angewiesen: Sie wandeln das Treibhausgas in Biomasse um und sichern so nicht nur ihr eigenes Überleben. Nebenbei tut das Grün dieser Welt uns noch den riesigen Gefallen, etwa zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus der Luft zu saugen - Pflanzen bremsen also den Klimawandel, den der Mensch mit seinen enormen CO 2 -Emissionen verursacht. Noch, zumindest.

Denn etwa so, wie man in einer aufgeheizten Frittenbude irgendwann die Lust auf Pommes verliert, verdirbt die zunehmende Wärme auf Erden den Pflanzen leider auch den Appetit aufs CO 2 . Forscher nehmen aufgrund von Modellrechnungen schon lange an, dass Hitzeperioden infolge des Klimawandels die Aufnahmekapazität vieler Ökosysteme für CO 2 deutlich reduzieren. Und wie US-Wissenschaftler nun erstmals im Wissenschaftsmagazin Nature berichten, ist dieser Effekt nicht nur in realen Ökosystemen nachweisbar. Die Pflanzen verlieren ihren Appetit nach einer heißen Zeit sogar nachhaltig. Selbst wenn auf Phasen der Hitze wieder normale Temperaturen folgen, das Ökosystem als Bremse des Klimawandels bleibt dauerhaft beschädigt. Bisherige Klimawandel-Szenarien haben diese Wirkung noch nicht berücksichtigt.

Gezeigt haben das John Arnone und sein Team vom Desert Research Institute in Reno ausgerechnet an saftigen Grünflächen inmitten in der staubtrockenen Wüste Nevadas. Insgesamt 12 Tonnen Grasland gruben sie dafür in der Prärie aus, komplett mit Erdreich und den darin lebenden Tierchen und Mikroorganismen. Anschließend teilten sie das kleine Ökosystem in vier Modellsysteme auf und schlossen diese in etwa 40 Quadratmeter große Glaskammern ein.

In diesen Kammern haben die Forscher nun über mehrere Jahre Wetter und Jahreszeiten simuliert. Der CO 2 -Gehalt in den Kammern wurde dabei kontinuierlich gemessen. Im zweiten Jahr ahmte Arnone in zweien der Klimaräume ein besonders heißes Jahr nach. Die anderen beiden Systeme durften unter normalen Wetterverhältnissen vor sich hin vegetieren.

Um den Ausschnitt zu vergrößern, klicken Sie bitte auf die Grafik © ZEIT Grafik/Anne Gerdes

Wie erwartet, machte die Hitzewelle dem Grün richtig schwer zu schaffen. "Schon ein außergewöhnlich warmes Jahr senkt die CO 2 -Aufnahme eines Ökosystems nicht nur in dieser extremen Zeitspanne, sondern auch für die nächsten zwei Jahre", sagt Arnone. So speicherten die hitzegeplagten Pflanzen innerhalb von drei Jahren insgesamt dreimal weniger CO 2 als im Jahr zuvor. Die physiologische Ursache kennen die Forscher: In extremen heißen Perioden versuchen Pflanzen und Gräser nicht auszutrocknen. Um dem Mangel an Wasser standzuhalten, kann keine Energie darauf verschwendet werden, weiter zu wachsen. Erst wenn genug Wasser vorhanden ist und die Temperaturen sinken, kann sich das Ökosystem wieder erholen.