Der Ausschuss beendete jetzt nach fast zwei Jahren seine Arbeit als Untersuchungsausschuss zu dem Fall, der große Wellen geschlagen hatte. Vertreter aller Fraktionen schilderten den heute 26 Jahre alten, aus Bremen stammenden Türken als glaubwürdig. Der Vorsitzende Karl Lamers (CDU) sagte, der Nachweis für den von Kurnaz beklagten Vorfall sei jedoch ebenso wenig erbracht worden wie der Nachweis des Gegenteils. "Der Fall Kurnaz ist nicht aufklärbar. Damit werden wir leben müssen", sagte auch der SPD-Politiker Rainer Arnold.

Der geheim tagende Ausschuss hatte im November 2006 seine Arbeit begonnen und in 24 Sitzungen 49 Zeugen vernommen. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen die beschuldigten Soldaten wurden inzwischen ebenfalls eingestellt, weil die Anschuldigungen nicht bewiesen werden konnten.

Kurnaz wirft zwei KSK-Soldaten vor, sie hätten ihn Anfang 2002 in einem US-Gefangenenlager in Kandahar misshandelt. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe. Kurnaz war 2001 in Pakistan festgenommen und über Kandahar ins US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba verschleppt worden. Er kam erst im Sommer 2006 auf Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel frei.

Die FDP-Abgeordnete Elke Hoff sagte: "Ich hoffe, dass Herr Kurnaz die schrecklichen Erlebnisse verarbeiten und in der Zukunft ein möglichst normales Leben führen kann. Diejenigen, die ihm Unrecht zugefügt haben, sollten sich bei ihm entschuldigen."

Der Grünen-Politiker Winfried Nachtwei sieht den Fall als nicht abgeschlossen an. Kurnaz habe ein Martyrium durchgemacht. "Es wäre angebracht, wenn die Bundesregierung auf diesen Mann zugehen würde mit einer Geste (...), dass man äußerst bedauert, was mit ihm geschehen ist."

Paul Schäfer von der Linken erklärte, seine Fraktion sehe Kurnaz' Vorwürfe als bestätigt an. Er sprach von "verblüffend großen Gedächtnislücken" bei den vernommenen KSK-Soldaten. Schäfer und Nachtwei kritisierten, das Verteidigungsministerium habe den Abschlussbericht "amputiert" und die Veröffentlichung wichtiger Angaben verhindert.

In einer von Nachtwei vorgelegten Bewertung seiner Fraktion werden Alkoholprobleme in der KSK-Truppe - auch bei der Einsatzführung -, Kritik am Verhalten von US-Soldaten gegenüber Gefangenen, fehlende Einsatzregeln für die deutschen Elitesoldaten und Unklarheit in der Frage, ob auch die Deutschen Gefangene machen sollen, angesprochen.

Kurnaz' Anwalt Bernhard Docke nannte das Untersuchungsergebnis unbefriedigend. "Wie auch im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Tübingen waren die Hürden offenbar zu hoch, das Verteidigungsministerium war zugeknöpft, die KSK-Zeugen haben gemauert, die USA haben jegliche Rechtshilfe verweigert, und der Bundeswehr unterliefen seltsame Datenverluste." Trotzdem seien auch aus der Sicht von Kurnaz die Untersuchungen sinnvoll gewesen. Künftige KSK-Einsätze stünden unter Parlamentsbeobachtung, "und jeder Soldat weiß jetzt, dass strafbares Verhalten auch im Ausland verfolgt werden wird".

Ergiebig war nach Ansicht aller Fraktionen – im Gegensatz zum Fall Kurnaz– die Prüfung des KSK-Einsatzes selbst vor bald sieben Jahren. Es seien Fehler "bis in die Spitze des Verteidigungsministeriums" festgestellt worden, sagte Bernd Siebert von der CDU. Dabei gehe es auch um eine frühe Meldung des KSK nach Deutschland über Kurnaz' Inhaftierung in Afghanistan, die den damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) nicht erreicht haben soll.

Beklagt wurde ferner die fehlende Kontrolle des Einsatzes durch den Bundestag. Die Koalition fordert nun wie die Opposition von der Regierung mehr und regelmäßige Informationen über KSK-Einsätze. Deutlich wurde aber auch, dass der Einsatz der Spezialtruppe am Hindukusch rein symbolisch war – als Signal der Unterstützung an die USA: Die Soldaten gaben keinen einzigen Schuss ab.