Nur wenige Tage konnte sich Südafrikas Präsident im Glanz des Erfolges als Vermittler der Machtkrise in Simbabwe sonnen. Nur wenige Tage, nachdem er im Nachbarstaat die Teilung der Macht zwischen dem umstrittenen Präsidenten Robert Mugabe und Oppositionsführer Morgan Tsvangirai erreichen konnte, drängte ihn die eigene Parteispitze des Afrikanischen Nationalkongress (ANC) zum Rücktritt. Dabei endet Mbekis Amtszeit im kommenden April, zu einer Wiederwahl tritt der 66 Jahre alte Nachfolger von Nelson Mandela nach zwei Amtsperioden nicht wieder an. Doch so lange wollten die parteiinternen Gegner offenbar nicht warten.

Schon seit Tagen war am Kap darüber spekuliert worden, der ANC wolle Mbeki, der Ende vergangenen Jahres bereits seinem Rivalen Jacob Zuma in der Kampfabstimmung um den ANC-Vorsitz unterlegen war, zum Rücktritt drängen. Am Samstag beriet die ANC-Spitze hinter verschlossenen Türen und forderte Mbeki dann auf, vorzeitig zurück zu treten. Der langjährige Anti-Apartheidskämpfer, seit seinem 14. Lebensjahr ANC-Mitglied, zeigte sich auch beim Sturz durch die eigene Partei loyal. Mbekis Sprecher kündigte am späten Nachmittag an, der Präsident werde zurücktreten.

Zuvor hatte schon ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe erklärt, Mbeki habe die Rücktrittsforderung "ohne Schock oder
Niedergeschlagenheit" aufgenommen. "Er hat die Nachricht begrüßt und zugestimmt, dass er sich am parlamentarischen Prozess (der Amtsübergabe) beteiligt", sagte Mantashe. "Wenn ich behaupte, dass er aufgeregt war, würde ich übertreiben."

Zwar gilt Mbeki als eher farbloser Technokrat, der nicht zu großen Gefühlsausbrüchen neigt, doch so viel stoische Ruhe brachte manchen Oppositionspolitiker auf die Beine. Noch ehe aus Mbekis Präsidentenkanzlei überhaupt eine Reaktion zu der Rücktrittsforderung kam, sprach Bantu Holomisa von der Vereinigten Demokratiebewegung von einem "Akt politischer Barbarei, der das Land in Anarchie zu stürzen droht". Helen Zille von der Demokratischen Allianz sah die Stabilität Südafrikas durch die internen Machtkämpfe des ANC gefährdet. Es handele sich ganz klar um den Versuch, eine "politische Lösung" für die juristischen Probleme Jacob Zumas zu finden.

Der ebenso populäre wie umstrittene ANC-Chef Zuma ist mit Mbeki zerstritten, seit der ihn 2005 als Vizepräsident entlassen hatte. Erst am 12. September hatte ein Gericht im südafrikanischen Pietermaritzburg ein Korruptionsverfahren gegen Zuma eingestellt und ihm damit auch den Weg an die Macht bei den Präsidentenwahlen im April frei gemacht.

Der 66-Jährige hatte im Verdacht gestanden, von zwei Tochtergesellschaften des französischen Rüstungskonzerns Thales International Geld angenommen zu haben. Sein Finanzberater war im Zusammenhang mit dem Geschäft wegen Bestechlichkeit verurteilt worden und hatte erklärt, er habe einen Teil der erhaltenen Gelder an Zuma weitergeleitet. Eine Anklage Zumas wegen Korruption war zuvor an Verfahrensfehlern gescheitert, nach der Wahl Zumas zum ANC- Vorsitzenden Ende 2007 aber wieder erneuert worden. Zuma und seine Anhänger hatten dahinter eine politische Kampagne vermutet.