Häuser sind seine Leidenschaft. Seit mehr als 35 Jahren ist Georg Funke im Immobiliengeschäft. Zuerst als kleiner Azubi bei der Westdeutschen Wohnhäuser AG in Essen, inzwischen als mächtiger Vorstandsvorsitzender des einzigen Dax-Konzerns, der sich auf die Immobilienwirtschaft spezialisiert hat, der Hypo Real Estate (HRE) aus München.

Doch die Tage in der Vorstands-Welt scheinen seit dem Wochenende für den Ruhrpottler gezählt zu sein. Noch stärkt der Aufsichtsrat der HRE Funke den Rücken, aber erste Analysten fordern seinen Rücktritt. "Wir haben keinen Funken an Vertrauen mehr in das gegenwärtige Management-Team", sagt LBBW-Experte Martin Peter. Dabei ist kaum etwas wichtiger in der Finanzwelt als Vertrauen.

Georg Funke hat eine der größten Krisen in der deutschen Bankengeschichte mitzuverantworten. Am Wochenende wurde klar, dass sein Institut in akuten Geldnöten ist. 35 Milliarden Euro müssen deutsche Banken und der Bund zuschießen, um den Konzern vor dem Aus zu retten. Das soll erst einmal die Liquidität der HRE bis Ende 2009 sichern.

Am Vormittag brach die Hypo-Real-Estate-Aktie um bis zu 75 Prozent ein, sie dümpelt nun bei 3,30 Euro. Auf die Dividende werden die Aktionäre in diesem Jahr verzichten müssen. Analysten setzen das Papier inzwischen auf "verkaufen".

Vor allem die Depfa-Bank, welche die HRE 2007 für 5,7 Milliarden Euro übernommen hatte, reißt den Finanzkonzern in die Tiefe. Die Depfa ist ein Spezialfinanzierer aus Irland, der sich auf Kredite an Staaten, Länder und Kommunen spezialisiert hat. Weil dieser Bereich extrem margenarm ist, hatte sich das Unternehmen auch im Bereich anderer, lukrativerer Kredite engagiert. Hier hatte die Depfa langfristig Kredite vergeben, diese aber extrem kurzfristig refinanziert.

Wegen der aktuellen Kreditklemme ist die Refinanzierung zurzeit schier unmöglich - die Banken leihen sich untereinander kaum Geld, und wenn, dann nur extrem vorsichtig. "Das Geschäftsmodell der Depfa funktioniert nur in normalen, nicht aber in Krisenzeiten", sagt Christian Harmann, Bankenanalyst der Hamburger Sparkasse. "Der Kauf der Depfa zu dem Zeitpunkt war zwar chancenreich, aber auch extrem riskant."