Mit jeder Woche erreicht die Krise einen neuen Höhepunkt. Jede Bankenpleite scheint teurer zu werden, die Summen steigen ähnlich schnell wie vor wenigen Wochen die Weltrekorde bei den olympischen Schwimmwettbewerben. Wie lange kann das noch weitergehen? 

Es ist schwierig, die aktuelle Situation einzuschätzen. Eine ganze Reihe an Investoren ist in Sorge. Sie verweisen vor allem darauf, dass die Krise inzwischen immer weitere Kreise zieht. Nur vom Subprime-Sektor, dem Markt für Schrott-Hypotheken, redet kaum noch einer. Inzwischen geht es um das Finanzsystem als Ganzes. Zugleich geraten immer neue Teil-Märkte in den Sog der Krise. Kreditkarten oder Unternehmensanleihen fangen gerade erst an, Schwierigkeiten zu bereiten. 

Es gibt inzwischen aber auch eine ganze Reihe von Analysten und Investoren, die aufgrund der erreichten Extreme, die viele Indikatoren erreicht haben, die Krise auf ihrem Höhepunkt sehen. Ihrer Meinung zufolge stehen wir unmittelbar vor einem heftigen Kursanstieg.

Ausgangspunkt ihrer Argumente ist die Beobachtung, dass in der Vergangenheit Krisen immer dann zu Ende waren, wenn die Panik besonders hoch war und die Stimmung am Boden. Beides kann man messen, etwa mit dem deutschen sentix-Indikator oder der Kennziffer, welche die American Association of Individual Investors (AAII) veröffentlicht. Alle Stimmungsindikatoren erreichten in den vergangenen Wochen Extremwerte, auf die in der Vergangenheit in der Regel ein Kursaufschwung folgte.

Solche Indikatoren zu analysieren und mit historischen Werten zu vergleichen ist eine sinnvolle und häufig erfolgreiche Methode der Finanzmarktanalyse. "Repräsentativheuristik" nennt das die Behavioral Finance. In normalen Situationen ist sie sehr hilfreich - aber sie birgt auch die Gefahr, entscheidende Dinge zu übersehen. Zumal sich im Moment eher die Frage stellt, ob es in der jüngeren Vergangenheit überhaupt eine vergleichbare Krise gab.