My Hammer erfreut sich unter Schnäppchenjägern großer Beliebtheit. Auf der Internetseite (an der die Verlagsgruppe Holtzbrinck, zu der auch ZEIT ONLINE  gehört, beteiligt ist)  können Privatleute nach Handwerkern suchen: Wer verlegt die 70 Quadratmeter Holzdielen im Wohnzimmer am günstigsten? Nach einigen Tagen trudeln die Angebote der Tischler ein, der preiswerteste bekommt den Zuschlag.

Im Prinzip wollte die US-Regierung bei der größten Finanzkrise in der Geschichte der Wall Street ebenfalls nach dem "My Hammer"-Prinzip vorgehen. Um die Privatbanken aus ihrem Kreditsumpf zu befreien, wollte sie die Kredite aufkaufen und so die Geldinstitute mit frischem Kapital versorgen.

Ob das noch gelingen kann, ist seit Montagabend höchst ungewiss. Denn da lehnte das Repräsentantenhaus den geplanten Rettungsfonds ab. Doch angeblich arbeitet man im Finanzministerium schon an einem neuen Modell.

Die Idee, die hinter dem ursprünglich ausgehandelten Emergency Economic Stabilization Act steckte, ist diese:

Bei der staatlichen Auktion bieten die Banken ihre Kreditpakete zu einem bestimmten Preis an. Der günstigste Anbieter bekommt den Zuschlag. Das Kalkül dahinter ist einfach. Die Banken bieten ihre Kredite zu einem Preis an, der hoch genug ist, um ihr Minus zu decken. Denn wenn sie einen zu hohen Preis verlangen, gibt der Staat einem anderen Anbieter den Zuschlag.

Doch was in der Theorie simpel klingt, ist in der Praxis äußerst kompliziert. Ein Dilemma ist zu lösen: Bekommen die Banken zu wenig Geld, müssen sie neue Abschreibungen tätigen, was die Finanzkrise noch weiter anheizen könnte. Neue Milliardenlöcher drohen. Liegt der Preis dagegen zu hoch, müssen die amerikanischen Steuerzahler noch tiefer für die Wall-Street-Banker in die Tasche greifen.

Das größte Problem bei der Rettungsaktion ist, den Wert der Kredite zu bestimmen, weil es sich um extrem komplizierte Finanzkonstrukte handelt. "Werden alle Kredite gleich behandelt, werden am Ende der Auktion nur die schlechtesten Qualitäten, sozusagen die Zitronen, verkauft, und wichtige Teile des Marktes bleiben außen vor", warnt der Kölner Wirtschaftsprofessor und Spieltheoretiker Axel Ockenfels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Also müssen die Kredite sinnvoll geordnet werden. Doch das ist gar nicht so einfach, denn es handelt sich teilweise um extrem komplizierte Finanzprodukte. Bei den sogenannten "Collaterized Debt Obligations" werden etwa unterschiedliche, extrem riskante Anleihen gebündelt und weiterverkauft – das alles ohne Behördenaufsicht. Die Neusortierung sollten jetzt die Profis der Wall Street übernehmen, die das Finanzministerium extra dafür anheuern wollte. Daraus aber wird nun, mindestens zunächst, nichts.