Vor einigen Jahren wuchs nahe der amerikanischen Kleinstadt Columbus in Mississippi nur Getreide. Bis 1700 Arbeiter anrückten, die mit Baggern heranfuhren, Fundamente aushoben, Straßen befestigten und große Hallen bauten. Im August 2007 drückten die Betreiber des amerikanisch-russischen Joint Ventures Severcorr auf einen Knopf – und die erste Blechrolle verließ das neue Stahlwerk.

Heute donnern unentwegt LKW über die neuen Straßen. Sie bringen sortierten und vorbehandelten Eisenschrott, der im SeverCorr-Werk in einem riesigen Elektroofen eingeschmolzen wird. Der glühende Stahl bewegt sich anschließend durch die 500 Meter lange Halle durch Stranggieß-, Warmwalz- und Kaltwalzanlagen und schließlich durch ein Zinkbad. Am Ende kommen Bleche heraus.

Die Schrott-zu-Blech-Transformation erfordert eine Menge Wissen. Es ist deutsches Wissen, denn alle Anlagen, sämtliche Dienstleistungen, die Automation und Elektrik stammen von der SMS Demag, dem Weltmarktführer für Stahlwerke aus dem Siegerland. Per Schiff und Spezialtieflader transportierte das Unternehmen bis zu 110 Tonnen schwere Walzgerüste aus der Kleinstadt Hilchenbach in die USA, dazu Aufwickelhaspel, hydraulische Anstellzylinder, Biegeeinrichtungen und Getriebe für Walzanlagen. Knapp ein Drittel der mehr als 900 Millionen US-Dollar teuren Gesamtinvestition wurden von dem Unternehmen gestemmt, das seit 130 Jahren im Geschäft ist.

Verantwortlich für das Großprojekt in den USA, das 22 Monate nach Auftragserteilung fertig war, ist Axel Sprenger. Der Fachbereichsleiter für schlüsselfertige Investitionsvorhaben fing 1980 als Konstrukteur bei SMS Demag an. Heute bearbeitet er Großprojekte in aller Welt – die SMS Group, zu der SMS Demag gehört, machte im vergangenen Jahr 90 Prozent ihrer 2,9 Milliarden Euro Umsatz im Ausland.

Severcorr war Sprengers dickster Fisch bisher, aber es sieht ganz so aus, als sei es nicht der letzte gewesen. "Unsere Kunden fragen verstärkt nach Turn-Key-Lösungen, das heißt komplett von uns abgewickelten Projekten", erklärt der 57-Jährige, der im Jahr 2007 neun Monate auf der Baustelle in den USA verbracht hat.