Insgesamt waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im September 3,081 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 115.000 weniger als im Vormonat. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Zahl der Arbeitslosen damit um 463.000 zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote sank in diesem Zeitraum von 8,5 auf 7,4 Prozent. Weniger Erwerbslose hatte es zuletzt im November 1992 gegeben.

Noch ist unklar, wie stark der Aufschwung am Arbeitsmarkt im Zuge der angespannten Lage an den Finanzmärkten an Fahrt verlieren wird. Saisonbereinigt ging die Zahl der Erwerbslosen im September um 29.000 zurück, im August lag diese Zahl noch bei 40.000.

Nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten dürften die Erwerbslosenzahlen erstmals im Jahr 2009 wieder steigen. Die Finanzkrise werde sich nachhaltig auf das Investitionsklima auswirken, erklärte Eugen Spitznagel, Konjunkturexperte des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Diese Stimmungsverschlechterungen beeinflussen sicherlich auch den Arbeitsmarkt", unterstrich der Wissenschaftler.

Der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise hingegen rechnet für 2009 mit keinen größeren Auswirkungen auf den Beschäftigung: Zwar werde der Finanzsektor selbst betroffen sein, solange jedoch mittelständische Unternehmen von der Bankenkrise unberührt blieben, werde diese keine negativen Folgen für den Arbeitsmarkt haben.

Auch die Politik ist sich über die Bewertung der aktuellen Zahlen uneins: Während Bundesarbeitsminister Olaf Scholz führt den Rückgang auf die Reformen am Arbeitsmarkt zurückführte und den Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit als "erfreulich" bezeichnete, erklärte der FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle die Arbeitsmarktzahlen zur Makulatur: "Wir erleben die Ruhe vor dem Sturm", hieß es in einer Stellungnahme des Wirtschaftspolitikers.