Meine Chefin kennt keine Grenzen und wird schnell persönlich. Wenn einer der Angestellten Fehler macht, lässt sie es alle in der Kanzlei wissen und macht uns klar, wie "dumm" wir doch sind. Psychisch ist das manchmal nicht mehr auszuhalten. Welche Konsequenzen ergeben sich für mich, wenn ich fristlos kündige? Droht mir eine Sperre von der Arbeitsagentur?

fragt Sandra Mengel aus Marburg

Sehr geehrte Frau Mengel,

In Ihrem Fall könnte man schon fast von Mobbing sprechen. Als Mobbing wird bezeichnet, wenn eine Mitarbeiterin systematisch angefeindet, schikaniert und diskriminiert wird.

Mobbingattacken können viele Formen annehmen: Der Chef oder andere Mitarbeiter äußern sich öffentlich abwertend über einen Kollegen, sie behandeln ihn abschätzig, beachten ihn nicht, ahmen ihn nach, äffen ihn sogar nach, schlagen einen aggressiven Ton an, vergeben sinnlose Arbeitsaufträge, bewerten Arbeitsergebnisse kleinlich und überzogen. Manchmal geht das bis hin zu offenen Anfeindungen, Schikanen, Beleidigungen und Psychoterror. Häufig steckt dahinter das Ziel, den Betroffenen mürbe zu machen, damit er von sich aus seinen Job aufgibt.

In Ihrem Fall würde ich noch nicht davon ausgehen, dass Ihre Chefin Sie zur Kündigung bewegen will. Ich vermute, Ihre Vorgesetzte ist einfach eine schlechte Führungskraft, die nicht motivieren kann.

Dennoch sollten und müssen Sie Ihre Situation nicht einfach hinnehmen. Denn die Folgen eines solchen Verhaltens können für Betroffene enorm sein: Sie reichen von gesundheitlichen Schäden bis zur inneren Verzweiflung.

Da diese Aktivitäten von Ihrer Chefin ausgehen, verstößt diese eindeutig gegen die ihr obliegende Fürsorgepflicht. Sie haben also das Recht, Unterlassung zu verlangen, entweder direkt von ihr - oder Sie beschweren sich in der nächst höheren Hierarchieebene bei Ihrem Arbeitgeber.

Ist Ihre Chefin auch gleichzeitig Ihr Arbeitgeber, wird eine Beschwerde unter Umständen sinnlos sein. Nur direkt ansprechen sollten Sie es schon. Wenn vorhanden, können Sie auch den Betriebs- oder Personalrat um Mithilfe und Beistand auffordern.