Eigentlich wollte Emilio Botín die deutsche Postbank kaufen. Auch an der Dresdner Bank soll die Banco Santander, der er vorsitzt, interessiert gewesen sein. Jetzt hat der machtgierige Botín Teile der vom Konkurs bedrohten britischen Bank Bradford & Bingley (B&B) für 772 Millionen Euro übernommen. Sie sollen seine bisherigen Aktivitäten im britischen Bankgeschäft mit Endkunden ergänzen, die über das Institut Abbey National läuft. Wie schon im Fall der früher erworbenen Bank Alliance & Leicester wird auch das neue B&B-Geschäft in die Abbey National integriert.

In Deutschland sind die Spanier mit der Santander Consumer die Nummer eins im Geschäft mit der  Konsumfinanzierung. Im laufenden Jahr wollen sie hierzulande einen Gewinn zwischen 600 und 700 Millionen Euro einfahren. Insgesamt soll der Gewinn des Konzerns um eine Milliarde Euro auf zehn Milliarden Euro wachsen - und das mitten in der Krise. Zukäufe sollen dabei helfen. Ein Grund für den Erwerb von B&B.

Experten glauben, dass die Bank für die Einkaufstour gewappnet ist und den richtigen Moment gewählt hat, um in die Top Ten der internationalen Banken aufzustoßen, obwohl in Spanien eine der schwersten Immobilien- und Wirtschaftskrisen der spanischen Geschichte gerade erst begonnen hat.

Bislang war die Banco Santander mit ihrem Börsenwert von 68,3 Milliarden Euro und einem halbjährlichen Gewinn von 4,73 Millionen Euro die größte Bank der Eurozone. Die Deutsche Bank ist jedoch gerade dabei, durch den Kauf der Postbank diese Position zu bedrohen. Botín hält dagegen.

Der 74-Jährige will, dass "seine" Bank weiter führend bleibt in Europa. Bislang galt Banco Santander weltweit als Beispiel dafür, wie Bankgeschäfte effizient organisiert werden könnten. Grund sind eine hohe Eigenkapitalrendite und ein günstiges Kosten-Ertragsverhältnis. "Jetzt, wo die US-Bankenwelt taumelt, ist sein (Botíns) Moment gekommen, noch weiter zu wachsen", glaubt Manuel Romera, Direktor für Finanzwissenschaften der Madrider Business Schule Instituto de Empresa.

Wenn die Operation B&B abgeschlossen ist, würde die britische Banco-Santander-Tochter bei den Einlagen über einen Marktanteil von zehn Prozent in Großbritannien verfügen. Dasselbe hatte Botín in Deutschland mit der Postbank vor, aber da kam ihm die Deutsche Bank dazwischen. Auch das angebliche Interesse der Banco Santander an der US-Bank Wachovia macht Sinn, glaubt Laura Benito vom Madrider Broker Ibersecurities. Botín wollte immer in den USA wachsen. Wäre ihm nicht die Citigroup dazwischengekommen, hätte Botín durch Wachovia zu einem günstigen Preis seinen Marktanteil ausweiten können. Wie in Großbritannien hätte das bereits bestehende Investitionen komplementiert. Santander hält 25 Prozent an der US-Bank Sovereign.