Das war knapp. Die Zuschauer, die am Wahlabend im Potsdamer Stadthaus auf die Leinwände starrten, wussten lange nicht, welcher Balken am Ende der längste sein würde. Erst am nächsten Morgen war klar: Die SPD ist mit 25,8 Prozent wieder stärkste Kraft in den Brandenburgischen Kommunen, so das vorläufige Ergebnis für die Kreistage und kreisfreien Städte. Mit 24,7 Prozent liegt die Linkspartei knapp dahinter, beide haben sich im Vergleich zur Wahl 2003 leicht verbessert.

Die große Verliererin ist die CDU mit 19,8 Prozent. Sie war vor fünf Jahren noch die stärkste Partei auf Kommunalebene gewesen. Die freien Wählergruppen kamen auf 8,3 Prozent, die FDP auf 7,3, die Grünen auf 4,6 Prozent und verschiedene Listenvereinigungen auf 4,1 Prozent. Somit hat die SPD ihr Wahlziel erreicht: Sie ist in Brandenburg wieder vorne.

Für Jann Jakobs ist das ein schwacher Trost. Der SPD-Bürgermeister von Potsdam hat mit seiner Partei in der Landeshauptstadt gegen die Linke verloren, wenn auch der Abstand geringer ist als vorher. "Von daher sind wir die Wahlsieger", sagt Jakobs. Doch der Linkspartei sei es gelungen, mit sozialpolitischen Themen wie einem kostenlosen Schulessen Wähler zu überzeugen. Kein Wunder, dass in der Potsdamer SPD-Zentrale am Abend der Blues gespielt wird. Die SPD hat gewonnen, aber die Freude vermischt sich mit Melancholie.

Auf der anderen Straßenseite dagegen dröhnt fröhliche Tanzmusik: Die Linkspartei feiert. Vor ihrer Potsdamer Zentrale wehen Fahnen mit dem Aufdruck "original sozial" zur SPD hinüber, fast provokativ. "Wir freuen uns besonders, dass wir auch viele Neu-Potsdamer überzeugen konnten", sagt Hans-Jürgen Scharfenberg, Spitzenkandidat der Linken. Zahlen gibt es dafür zwar noch nicht, aber die Partei geht davon aus, dass sie auch bei den Zugezogenen, die oft aus Berlin oder Westdeutschland kommen, zulegen konnte.

Brandenburg könnte ein weiterer Schritt der Linken sein auf dem Weg von der Ost- und Hartz-IV-Partei zur dritten Kraft in der Republik. "Wir haben auf jeden Fall Rückenwind aus der Bundespolitik bekommen", sagt Thomas Nord, Landesvorsitzender der Linken. Dabei will die Partei gar nicht auf Konfrontationskurs zu den Sozialdemokraten gehen: In knapp zwei Dritteln der Kreistage und kreisfreien Städte seien jetzt rot-rote Koalitionen denkbar, so Nord. Ein Signal für die Landtagswahl 2009 an die SPD, die zurzeit mit der CDU regiert. Eine Koalitionsaussage will allerdings bislang keine der großen Parteien machen.

Dafür ist das Bild zu differenziert: Mancherorts, wie in Potsdam, stehen sich die Roten und die Dunkelroten spinnefeind auf zwei Straßenseiten gegenüber, anderswo gibt es Kooperationen.