Nach den schweren Verlusten vom Vortag standen die Zeichen an den US-Börsen am Dienstag erst mal auf Erholung: Die Wall Street startete mit kräftigen Gewinnen in den Handel. Investoren gaben sich zuversichtlich, dass die US-Regierung den Kongress doch noch überzeugen wird, das milliardenschwere Rettungspaket für den US-Finanzsektor bald zu verabschieden. Zudem war das US-Verbrauchervertrauen im September unerwartet gestiegen. Der Dow-Jones-Index notierte zuletzt gut 2,5 Prozent im Plus.

Auch Präsident George W. Bush gab sich nicht geschlagen. Er betonte kurz vor Markteröffnung, dass das Gesetzgebungsverfahren nicht beendet sei, und forderte den Kongress zu zügigem Handeln auf. "Wir befinden uns an einem kritischen Punkt für unsere Wirtschaft", warnte Bush. Falls die Nation diesen Kurs fortsetze, werde der wirtschaftliche Schaden "schmerzhaft und dauerhaft" sein, sagte er. Hauptadressat seiner Mahnung sind die Republikaner im Kongress, seine eigenen Parteifreunde.

In der Finanzkrise geraten die USA nach dem vorläufigen Scheitern des milliardenschweren Rettungspakets im Kongress international zunehmend unter Handlungsdruck. Politiker und Notenbanker appellierten am Dienstag, die Hilfen für die US-Finanzbranche schnellstmöglich zu verabschieden. Die Wall Street setzt offenbar auf eine rasche Lösung. Nach den dramatischen Verlusten vom Montag eröffneten die US-Aktienmärkte am Dienstag deutlich im Plus. Der Dax notierte am Nachmittag kaum verändert.

Die Hoffnungen richten sich nun auf den Donnerstag, wenn die Abgeordneten im Repräsentantenhaus wieder zusammenkommen. Die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, versicherte, sich weiter für eine überparteiliche Lösung einzusetzen. Vor allem die US-Republikaner und damit die Parteifreunde Bushs hatten sich geweigert, kurz vor den Wahlen am 4. November den Banken mit Steuergeld zur Seite zu springen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte in Berlin, das Rettungspaket müsse noch diese Woche verabschiedet werden, um Vertrauen an den Märkten zu schaffen. Zuletzt hatte die Finanzkrise auch in Europa immer größere Kreise gezogen: In Deutschland musste der Staat ein Rettungspaket für das Dax-Unternehmen Hypo Real Estate schnüren, das in Liquiditätsprobleme geraten war. Die Bundesregierung kann bei ihrer Milliardenbürgschaft für den Immobilienfinanzierer dabei auf die Unterstützung der beiden Koalitionsfraktionen setzen, wie die jeweiligen Spitzen am Dienstag versicherten.

Auch in den Nachbarländern hält die Finanzkrise die Regierungen in Atem: Belgien, Frankreich und Luxemburg greifen der angeschlagenen Immobilienbank Dexia mit einer Kapitalerhöhung von 6,4 Milliarden Euro unter die Arme. Einen Tag nach den spektakulären Rettungsaktionen für den Finanzkonzern Fortis müssen die Regierungen damit dem nächsten Geldhaus in Europa zu Hilfe eilen, um eine Kettenreaktion von Bankenpleiten zu verhindern. Dexia ist ebenfalls im Immobiliengeschäft tätig und ist eine Konkurrentin der Hypo Real Estate.