Es dauerte zwei lange Nächte, einen Tag und zahllose Krisengespräche, bis Erwin Huber endlich ein Einsehen hatte und seinen schmachvollen Abgang als CSU-Chef erklärte, zusammen mit seiner ebenso unglückseligen Generalsekretärin Haderthauer. Es blieb ihm gar nichts anders übrig. Denn sonst wäre er durch einen Wutaufstand der Partei alsbald hinweggefegt worden.

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Wenn Huber noch ein bisschen Mumm gehabt hätte, wäre er gleich nach dem beispiellosen Wahldebakel der CSU am Sonntagabend zurückgetreten, so wie es ihm seine Generalsekretärin sofort angeboten hatte. Seine Hoffnung, bis zum Sonderparteitag in vier Wochen einen "geordneten Übergang" zu gestalten, war völlig illusorisch.

Denn in der CSU ist seit diesem bayerischen Wahl-Tsunami überhaupt nichts mehr geordnet. Das Oberste wurde nach unten gestürzt, in der Partei herrschen heillose Panik und grimmiger Zorn. Die Basis, die Funktionäre und die Abgeordneten, die ihre schönen Posten verloren haben, schrien förmlich danach, dass jemand die Verantwortung für den tiefen Fall der so lange allmächtigen weißblauen Staatspartei übernehme. Am besten gleich die gesamte Führung.

Huber ist keineswegs ein "Bauernopfer", von dem er am Montag noch sprach. Er trägt mit anderen die Hauptverantwortung für den Absturz der CSU. Er gehört zum alten Stoiber-System, das in eitler Selbstüberhöhung so lange glaubte, den Freistaat weiter nach Belieben beherrschen und mit Brachialreformen überziehen zu können. Die Bayern haben davon, ausweislich des Wahlergebnisses vom Sonntag, die Schnauze gestrichen voll.

Der Parteichef trägt mit Ministerpräsident Günther Beckstein genauso die Verantwortung für den völlig missglückten Führungswechsel vor einem Jahr und den täppischen Wahlkampf. Beide zusammen hatten gerade noch Kraft genug, Edmund Stoiber viel zu spät in Rente zu schicken. Aber irgendeine Form von Neuanfang für das Land und die Partei vermochten sie nicht zu verkörpern. Wie sollten sie auch, wo sie doch für das Alte standen.

Die Bayern und die CSU werden Huber jedenfalls keine Träne nachweinen. Niemand machte sich am Ende noch für ihn stark, weil er selber so schwach war. Er und Günther Beckstein könnten eines Tages in die Geschichte eingehen als diejenigen, die – zusammen mit Edmund Stoiber – der CSU das Grab geschaufelt haben.