Was haben Oliver Kahn und Edmund Stoiber gemeinsam? Sie fehlen den Bayern. Der frühere Welttorwart und der Ministerpräsident a.D. sind momentan die glorifizierten Lieblinge der Münchner Presse. Beide dienen als Projektionsfiguren. Sie verkörpern die Dominanz, die vom FC Bayern München und der CSU jahrzehntelang ausging – und die nun verloren gegangen zu sein scheint.

Beckstein, schnell als untalentierte, tölpelhafte Platzhalter.

Weil der Fußballklub in der Tabelle und die bayerische Regierungspartei in den Umfragen nach unten gereicht werden, sehnen sich die Medien und die Menschen nach den alten Helden zurück. Dabei übersehen sie geflissentlich, dass sie früher am selbstherrlichen Bayern-Keeper und am dienstbeflissenen Landesvater genug zu kritisieren hatten. Bei einer solch verklärten Betrachtung erscheinen die Nachfolger, der Torwart Rensing und die neuen CSU-Chefs Huber und

Kein Wunder also, dass die Anhängerschaft gespalten ist. Während die einen hoffen, dass sich die "Neuen" noch berappeln und den Verein beziehungsweise die Partei zur alten Stärke zurückführen, gibt es auf der anderen Seite einen nicht unerheblichen Teil, der weiteren Niederlagen und einem Wahlverlust durchaus etwas Positives abgewinnt. Denn dann, so die Hoffnung auf ein Ende mit Schrecken, werden die unfähigen Akteure ausgewechselt und es kommen neue Hoffnungsträger zum Zuge. Oder – vielleicht sogar – die alten zurück.

So wie die Zukunft des neuen Bayern-Torhüters von den künftigen Ergebnissen abhängt, entscheidet die Landtagswahl am Sonntag über die Karriere von Erwin Huber und Günther Beckstein. Mindestens drei Szenarien sind denkbar:

I Dem Verlust der absoluten Mehrheit folgt der Putsch

In keiner der letzten Umfragen vor der Wahl erreichte die CSU die absolute Mehrheit der Stimmen. Die Demoskopen sehen sie bei 47 oder 48 Prozent. Sollte auch die Linkspartei, neben SPD, Grünen, FDP und den Freien Wählern, den Einzug in den Landtag schaffen und die CSU nicht bis Sonntag noch nennenswert zulegen, dann war’s das wohl mit der schwarzen Alleinherrschaft in Bayern. Ihre Regierungsmacht wird die CSU zwar wohl nicht verlieren, da FDP oder die Freien Wähler zur Koalition bereitstünden. Aber ihren Nimbus als "natürliche" Mehrheitspartei Bayerns hätte sie verloren.

Folgt dann eine Nacht der langen Messer in München? Müssen Huber und Beckstein noch am Wahlabend zurücktreten? Erörtert man dieses Szenario mit CSU-Funktionären, bringen diese eine verschwörerische Chiffre ins Spiel: "Dann kommt Tripple-S", sagen sie. Wer? Na, ein Triumvirat aus Bundesverbraucherminister Horst Seehofer, Ex-Generalsekretär Markus Söder und – na, wem wohl, dem Ehrenvorsitzenden Stoiber.