Die CSU zieht nach ihrem Wahldebakel keine sofortigen personellen Konsequenzen. Stattdessen soll darüber auf einem Sonderparteitag in München am 25. Oktober diskutiert und schließlich über die künftige Aufstellung der Partei abgestimmt werden. Außerdem werde der Parteivorstand am 13. Oktober auf einer ganztägigen Klausur das weitere Vorgehen beraten. Das kündigte CSU-Chef Erwin Huber nach einer Vorstandssitzung seiner Partei an. Auf die Frage, ob er sich dort wieder zur Wahl stellen werde, sagte er: "Die Frage stellt sich im Moment nicht. Die CSU hat einen Parteivorsitzenden. Und damit ist alles Weitere den Diskussionen der nächsten Wochen überlassen."

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"Die Wähler haben uns einen massiven Denkzettel erteilt", sagte Huber. Für die Wahlniederlage, bei der die CSU auf 43,4 Prozent abstürzte, habe es eine Vielzahl von Gründen gegeben. Deshalb werde sich die CSU nach dieser schmerzlichen Niederlage auch nicht zerfleischen. Es werde ein "geordnetes Einvernehmen" über die nächsten Schritte geben. Möglicherweise stünden auch personelle Entscheidungen an, die aber im Miteinander auf dem Parteitag getroffen würden.

Huber lehnte auch ein Rücktrittsangebot von Generalsekretärin Christine Haderthauer ab. Haderthauer habe ihm am Sonntag unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Zahlen angeboten, mit ihrer Demission die Verantwortung für die Wahlschlappe zu übernehmen. Er habe dies abgelehnt, "weil wir nicht ein Bauernopfer wollen, weil Solidarität nicht darin bestehen kann, dass man eine Person oder mehrere zu Sündenböcken machen kann", sagte Huber.

Ebenso wie seine umstrittene Generalsekretärin Christine Haderthauer steht insbesondere Huber unter massivem Druck, seinen Posten zu räumen. Er sei kaum zu halten, hieß es dazu bereits vor seinem Zusammentreffen aus dem Umfeld des CSU-Vorstands. Bei der Nachfolge des glücklosen Parteivorsitzenden laufe alles auf den derzeitigen Partei-Vize Horst Seehofer zu. "Eine andere Alternative gibt es nicht", hieß es am Morgen in den entsprechenden Kreisen. Seehofer hatte bereits am Sonntagabend gesagt, ein "Weiter so" könne es nicht geben.

Einen Seitenhieb auf die Schwesternpartei konnte sich Huber nicht verkneifen und beklagte, es habe keinen Rückenwind aus der Bundespolitik gegeben. "Wir hätten uns von der CDU mehr Unterstützung erwartet", sagte er und verwies auf das Steuerkonzept der CSU. Dazu gehöre auch die Wiedereinführung der Pendlerpauschale, für die die CSU nicht ausreichend unterstützt worden sei.

Die weiteren politischen Schritte stehen für die CSU-Spitze fest. Sie will nun zügig Sondierungsgespräche mit der FDP und den Freien Wählern führen. Er stehe für eine Koalition zur Verfügung, sagte Ministerpräsident Günther Beckstein bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Huber. Die Zeit drängt, denn spätestens am 27. Oktober muss nach der bayerischen Verfassung der Ministerpräsident im Landtag gewählt werden. Bis dahin müssten die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen sein.

Gestern hatte ein beispielloses politisches Beben die Ära der CSU-Alleinherrschaft in Bayern nach mehr als vier Jahrzehnten beendet. Angesichts verheerender Stimmenverluste müssen die Christsozialen laut vorläufigem amtlichen Endergebnis erstmals seit 46 Jahren die Macht im Freistaat teilen. Das Fiasko bei der gestrigen Landtagswahl stürzt die erst vor einem Jahr angetretene CSU-Spitze mit Huber und Beckstein in eine schwere Krise.